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Montag, 14. Juli 2014

Die Erlösung


Podolski junior mit Onkel Bastian

Das längst Fällige ist eingetreten. Ein würdiger Abschluss einer tollen WM.



Das letzte Spiel ist gespielt, die letzte Schlacht geschlagen: Deutschland ist Weltmeister. Und das zu Recht, denn das, was ich vor dem Spiel gesagt habe, dass es sich die deutsche Mannschaft aufgrund ihrer Entwicklung und den Leistungen in den letzten 10 Jahren verdient, das wurde gestern noch einmal verdeutlicht, als man die Gesichter von Klose, Schweinsteiger, Lahm und Podolski sah. Diese Hauptakteure der goldenen DFB-Generation, zusammen mit ihrem Trainer Joachim Löw, sind es, für die dieser WM-Titel so verdient kommt. Allen voran Schweinsteiger, der gestern im wichtigsten Spiel wieder die beste, die unmenschlichste Leistung zeigte. Als ich ihn vor 10 Jahren das erste Mal im Trikot der deutschen Nationalmannschaft sah, mochte ich ihn schon nicht. Damals war er ein lästiger Mittelfeldwirbler, das Trikot hing ihm fast bis zu den Knien und die Verbissenheit in seinem Gesicht mochte nicht zu seinem Alter passen.

Inzwischen hat er graue Schläfen und ist zum Leader dieser Mannschaft geworden. Eine Kampfsau sondergleichen, immer noch nicht sympathisch, aber respektabel in allen Belangen. Sein Cut unterm Auge - es passte wie die Faust aufs selbige. Sein Niederbrechen und Immer-wieder-Weitermachen in der Verlängerung - es war bezeichnend für ihn als Mensch und als Fußballer. Am Ende steht das schelmische Grinsen zusammen mit Lukas Podolski: "Schweini" und "Poldi" sind die Gallionsfiguren dieser deutschen Mannschaft. Philipp Lahm - ehemals auch so ein Knirps im zu langen Trikot - spielte diesmal zwar nicht sein bestes Turnier, aber auch er ist nun zu Recht Weltmeister. Miroslav Klose sowieso: WM-Rekordtorschütze und Spieler mit den zweitmeisten DFB-Einsätzen nach dem uneinholbaren Lothar Matthäus.

Dann die Akteure aus der zweiten Reihe: Sami Khedira und Mesut Özil - das Traummittelfeld von vor vier Jahren. Schürrle, Müller, Boateng und der großartige Manuel Neuer.

Und die Jungen, von denen man noch viel erwarten kann und muss. Goldtor-Schütze Mario Götze, das Kind. Und vor allem Toni Kroos, dem dieses Mal die Aufgabe zugefallen ist, das deutsche Mittelfeld zu stabilisieren, nachdem Khedira und Schweinsteiger verletzungsbedingt ausfielen bzw. nicht in Top-Form agieren konnten.

Und über allem thront der große Joachim Löw, der sich jetzt nicht nur FC-Tirol-Meistermacher und Stuttgart-Pokalsieger nennen darf, sondern eben auch Fußball-Weltmeister. Löw, der unbeirrt den von Klinsmann angefangenen Weg weitergegangen ist und so den deutschen Fußball von all dem Grauen befreit hat, mit dem man die Fußballwelt erschreckt hatte. Löw hat es erkannt und gestern nach dem Spiel auch nochmal gesagt "Nur mit deutschen Tugenden allein ist es nicht mehr gegangen". Und doch hat man diesen Titel auch mit diesen Tugenden gewonnen. Aber eben nicht nur. "Der Titel war fällig", meinte Löw. Und wenn man die Ergebnisse der DFB-Elf der letzten Jahre ansieht, und den Fußball genossen hat, den sie gespielt haben, muss man sagen: Da hat er Recht, der Herr Löw, zu dem jetzt so schnell keiner mehr Jogi sagt.

Zum Finale ist zu sagen, dass es vor allem in Hälfte eins wohl eines der ansehnlichsten der letzten Jahre war. Lange Zeit war für beide Mannschaften alles drin, und doch stellte man sich nicht hinten rein und wartete ab. Obwohl es bei Argentinien über weite Strecken so ausgesehen hat. Wer aber die WM bisher verfolgt hatte, wusste, dass das zu erwarten war. In den entscheidenden Situationen aber spielte Argentinien gefährliche Konter und scheiterte oft nur knapp.
Trotzdem: Ein Sieg Argentiniens wäre irgendwie nicht in Ordnung gegangen. Er hätte sich zu sehr auf diesem einen Spiel aufgehangen, das das beste der argentinischen Mannschaft bisher gewesen ist. Messi bekommt zwar nicht den WM-Pokal, wurde dafür aber zum besten Spieler des Turniers gewählt. Eine lächerliche Entscheidung, deren Trostwert zudem nicht gering genug eingeschätzt werden kann.

Deutschland ist Weltmeister und das ist gut so. Oft wurde die Christus-Erlöser-Statue an diesem Abend eingeblendet, und der Titel ist für die Deutschen auch so etwas wie eine Erlösung. Man sah es vor allem an Klose, der am längsten darauf gewartet hatte. Man sah es aber auch an Bundespräsident Gauck, der überglücklich war, so als hätte er gerade das erste Fußballspiel seines Lebens gesehen, und es war zufällig das gewesen, in dem Deutschland den WM-Titel geholt hat.
Gauck und Merkel mussten natürlich in die Kabine. Im ARD-Studio erinnert sich Mehmet Scholl an den EM-Titel von 1996, als nach dem Spiel Helmut Kohl in die Kabine kam: "Es war eng!" Und dann, in einem fast leeren Maracana-Stadion: Lukas Podolski schießt Elfmeter mit seinem kleinen Sohn. Die Tornetze sind schon abmontiert, in der Ferne stehen noch einige Fans, die jeden Schuss von Podolski junior beheulen. Das riesige Stadion, der kleine Fratz, ein lächelnder Vater, der gerade Weltmeister geworden ist: Fußball kann so schön sein - und dann wieder so bedeutungslos.

Freitag, 11. Juli 2014

Trotzdem Argentinien

Wir haben ein Finale, das nur einen Sieger kennen darf. Das ist zwar schade, aber leider auch gerecht.

 

NED - ARG 0:0 (2:4 n.E.)


Es ist soweit: Nach einem Spiel, das sich weigerte es dem Match Brasilien gegen Deutschland gleich zu tun, stand Argentinien als zweite Endspielteilnehmer fest. Holland gegen Argentinien, das war eine Abwehrschlacht zweier Mannschaften, deren Trainer die Hosen voll hatten. Es war das Match mit den wenigsten Ballberührungen im Angriffsdrittel beider Mannschaften; und es war jenes mit den wenigsten Schüssen. So verwundert es auch nicht, wenn die herausragenden Leistungen nicht von Robben und Messi erbracht wurden, sondern von Hollands Zentralverteidiger Ron Vlaar, der da hinten alles gesaugt hat, was an Angriffsbemühungen Argentiniens durch den niederländischen Abwehrwall durchdrang, und dem argentinischen Tormann Sergio Romero, der im Elfmeterschießen den Tim Krul machte. Tim Krul, der holländische Ersatztormann, der das Elferschießen gegen die Costa Ricaner zu einem Happening gemacht hatte, der aber diesmal auf der Ersatzbank bleiben musste. Denn Wechselgott van Gaal brachte sowohl de Jong als auch van Persie von Beginn an, die beide nicht fit waren und durch Clasie bzw. Huntelaar ersetzt wurden. Bruno Martins Indi musste aufgrund einer Gelbverwarnung Drayl Janmaat weichen, und so war das Wechselkontingent erschöpft - Tim Krul konnte nicht erneut zum Elfmeterkiller werden.

Ob Krul aber die Argentinier ähnlich beeindruckt hätte wie zuvor die Ticos, darf bezweifelt werden. Zwei Elfmeterschießen in Folge zu gewinnen, damit wäre überdies ein Finaleinzug auch nicht zu rechtfertigen gewesen. Holland muss froh sein, mit dieser Spielweise überhaupt so weit gekommen zu sein. 20 Minuten Offensivwillen pro Partie - das darf nicht auch noch mit einem WM-Finale belohnt werden.

"Trots" heißt 'stolz' auf Niederländisch. Ob die Niederländer so stolz sein können - ich weiß es nicht. Beachtlich war der Semifinaleinzug auf jeden Fall, weil unerwartet. Auf der anderen Seite des Stolzes steht der Trotz:

Denn was ist mit Argentinien? Mit der Albi-Celeste ist eine Mannschaft ins Finale eingezogen, die das gesamte Turnier über mit Unauffälligkeit "geglänzt" hat. Das argentinische Spiel wird von einem Trotzdem regiert. Das bedeutende Narrativ bisher war ein Messi, der zwar weit von seiner Idealform entfernt war, aber trotzdem immer spielentscheidend eingegriffen hat. Zwar hat keiner mit ihnen im Finale gerechnet, nun sind sie aber trotzdem da. Es ist eine Verwandtschaft zum deutschen Team zu erkennen, zumindest was die medialen Erwartungshaltungen an die DFB-Elf im Verhältnis zu den tatsächlichen Entsprechungen am Feld betrifft. Das Nicht-Spiel gegen die USA und die Zitterpartie gegen Algerien stehen im Zentrum dieses Bildes vom deutschen Team, das nicht zu sich findet. Überwunden wurde das dann mit Willens-Fußball gegen Frankreich und dem fulminanten Halbfinale gegen Brasilien, nach dem auffälligerweise niemand Parallelen zur Auftaktpartie gegen das desolate Portugal zog. Vielleicht, weil der Sieg gegen Brasilien im vorletzten Spiel des Turniers so viel wichtiger war. Vielleicht, weil die Mannschaftsentwicklung in den letzten Spielen so weit vorangeschritten ist, dass man nun weiß, wie und warum man sich diesen Sieg verdient hat.

Das soll heißen, dass Deutschland die gefestigtere Mannschaft ist. Nicht nur, was die Harmonie zwischen den Akteuren betrifft, sondern auch die gemeinsame Erfahrung, die man bei diesem Turnier gemacht hat. Psychologisch gesehen haben die Deutschen nämlich mehr durchzustehen gehabt als die Argentinier. Das bringt ihnen für das Finale den entscheidenden Vorteil, zusätzlich zu dem, dass man gegen Argentinien bisher gute Erfahrungen gemacht hat.

Die Argentinier wären ungeliebte Weltmeister. Nicht nur, weil sie den Titel in Brasilien holen würden. Mir fällt auch immer noch kein Argument dafür ein, dass Argentinien Weltmeister sein sollte. - Messi allein reicht nicht. Freilich, ein Spieler wie dieser verdient sich auch einen WM-Titel, ja es wäre schade, würde er keinen bekommen. Andererseits waren seine Leistungen in der Nationalmannschaft immer schon eher am bescheideneren Ende anzusiedeln. Messi ist mehr Spanier als Argentinier, er wurde bei Barcelona spielerisch sozialisiert und ist dort auch noch am besten aufgehoben. Bis jetzt musste er nie den Beweis antreten, dass er in einem anderen Team genauso funktioniert. Wie schwierig es ist, eine Nationalmannschaft um so einen Spieler herum aufzubauen, sah man vor vier Jahren und man sieht es auch dieses Mal.

Diese Aufgabe fiel Alejandro Sabello zu, einem nicht sonderlich großartigen Coach, der bis jetzt vor allem damit aufgefallen war, dass er sich von Lavezzi mit einer Trinkflasche bespritzen ließ, und einmal fast umgefallen wäre. Sabello ist bisher mit dem verhaltenen Spiel, das auf ein Messi-Wunder zu hoffen scheint, ganz gut gefahren. Die grauenhaft feige Aufstellung in der ersten Halbzeit des Spiels gegen Bosnien, konnte er aber nie wieder gut machen. Auch, wenn es heißt, er habe in Hälfte zwei auf Zuruf von Messi umgestellt. Sabello ist kein Weltmeistertrainer und ein Titel wäre auch für ihn nicht gerechtfertigt.

So bleibt uns einzig das Klangvolle, das dieses Finale hat, der Name: Deutschland gegen Argentinien. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Denn einerseits wäre Deutschland der würdigere und logischere Weltmeister, auf der anderen Seite fürchte ich mich vor zwei Dingen: Einen neuerlichen Kantersieg, den ich aber für unwahrscheinlich halte, weil das einen Freifahrtschein zum schlechten Benehmen bedeuten würde. Das andere, vor dem ich mich fürchte, wäre ein unverdienter Weltmeister Argentinien. Ein charmeloser, den dieses Turnier nicht verdient hat.

Inzwischen begnügen wir uns mit dem traurigen Spiel um Platz 3, das immer noch nicht abgeschafft wurde. Brasilien noch einmal auf den Platz zu zwingen, das grenzt an Perversion. Insofern wünsche ich der Selecao einen Sieg, der nichts besser machen würde. Und auch nicht würdiger. Aber erträglicher als eine zweite Niederlage wäre es allemal.
Ich bin gespannt, ob Holland sich im letzten Spiel nochmal zutraut so zu spielen, wie man es eigentlich immer könnte. Schließlich geht es ja um nichts, wie van Gaal immer betont...


Montag, 7. Juli 2014

Louis van Gaal - Wechselgott

Das Geheimnis eines guten Trainer ist es, Dinge zu tun, die keiner nachvollziehen kann, und just mit diesen Dingen erfolgreich zu sein. Louis van Gaal ist so ein Trainer. 

 

NED - CRC 0:0 (4:3 n.E.)


Ich war schon wieder dabei, Louis van Gaal zu verfluchen. Schon wieder keine erkennbaren Offensivbemühungen über weite Strecken des Spiels. Kontrolle, Kontrolle und nochmals Kontrolle. Gegen den Underdog Costa Rica bewahrte man zwar die meiste Zeit über die Überhand, aber aufregend war es nicht. Die seltsame Strategie der Holländer scheint psychologisch geleitet: "Wenn wir gegen einen absoluten Außenseiter ein 0:0 halten, verhindern wir allzu geschäftige Aktivität seinerseits, weil der ja das Unentschieden als Erfolg verbuchen kann. Dann genügt uns ein spätes Tor und wir müssen uns nur noch kurze Zeit gegen verzweifelte Sturmläufe wehren, dann haben wir es geschafft." Und enstprechend plätscherte dann das Spiel dahin.

Kontrolle ist ja schön und gut, und in Hollands Fall auch wirksam: Schließlich gelang den Ticos der erste und einzige Torschuss erst in der Verlängerung. Wenn man dann aber weder zum Ende der Spielzeit noch in der Verlängerung ein Tor schießt, liefert man sich als Favorit der Gefahr aus, im Elfmeterschießen gegen einen Zwerg auszuscheiden. Natürlich hatte Costa Rica Glück, denn die Niederländer trafen drei Mal nur die Stange. Es schien auch irgendwie gerecht, dass es diesmal mit dem späten Tor nicht klappen wollte. Dabei darf man nicht vergessen, dass Costa Rica seinen Möglichkeiten entsprechend agierte und mit aller Kraft verteidigte. Und das machte die Mannschaft von Trainer Jorge Luis Pinto auch hervorragend.

Holland ließ das nervös werden, denn man wusste um die Klasse des gegnerischen Torwarts und um die bescheidene Klasse des eigenen. Van Gaal liebt keine Überraschungen, und daher brachte er Sekunden vor Ende der Verlängerung den Ersatztorman Tim Krul. Diese Einwechslung betitelte Oli Kahn nach dem Match als "größten Schwachsinn", den er je gesehen habe. Und tatsächlich war dieses einzigartige Kuriosum irgendwie schwachsinnig. Es ist eine dieser Aktionen, die sich nur im Nachhinein rechtfertigen lassen, und dann auch nur, wenn alles gut geht. Einen unaufgewärmten Tormann von der Bank in ein so wichtiges Elfmeterschießen zu schicken und dafür eine der drei Wechselmöglichkeiten zu verbrauchen, ist zumindest abenteuerlich. Tim Krul ist kein Elfmeterkiller - keine Statistik belegt das. Jasper Cillessen zwar auch nicht, der hätte sich aber zumindest die Chance verdient, zum Matchwinner zu werden. Er wusste natürlich vorher nichts davon. Tim Krul hingegen schon.

Tim Krul also geht zum Elfmeterschießen aufs Feld und raunzt vor jedem Schuss der Costa Ricaner den Schützen an. "Ich weiß, wohin du schießt!", schreit er ihnen entgegen und zeigt dabei auf seine Brust. Das sind Mätzchen der alten Schule. Eigentlich dachte ich, sowas macht keiner mehr. Warum es Tim Krul gemacht hat, ist fraglich. Einerseits natürlich zur Einschüchterung, und der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar, denn die Costa Ricaner sind alles, nur keine abgebrühten Vollprofis, die jede Woche ein so bedeutendes Spiel entscheiden müssen. Andererseits diente Kruls Gelaber vielleicht auch ihm selbst. Als Ersatztormann kommst du nicht einfach rein und hältst in einem WM-Viertelfinale zwei Elfmeter. Da musst du die wenige Zeit dazu nutzen, ein bisschen psychologisches Momentum zu bekommen. Krul hat das eben so gelöst.
Und tatsächlich hielt er zwei Elfmeter. So avancierte der kurz Eingesetzte zusammen mit seinem Trainer, dem Wechselgott van Gaal, zum Helden des Abends. Louis van Gaals Wechsel haben bis jetzt immer spielentscheidende Wirkung gehabt: Gegen Mexiko macht Huntelaar den Elfer. Gegen Chile treffen Fer und Depay - beide kamen von der Ersatzbank. Gegen Australien macht Depay den Siegtreffer - nach Einwechslung. Nur im ersten Spiel gegen Spanien war kein Wechsel nötig, um das Spiel zu entscheiden.

Man kann behaupten, dass das Zufall ist. Ich glaube es aber nicht, denn das niederländische Spiel zielt derzeit genau darauf ab, den Gegner einzulullen, um dann in der Schlussphase taktisch umzustellen und aggressive Angriffe zu fahren. Dass dann die jeweils neuen Spieler die Treffer machen, auf deren Rolle sich die verteidigende Mannschaft nur ungenügend einstellen konnte, ist kein Zufall. Und wenn das nicht klappt, dann wartet man eben bis zur 120. Minute und schickt dann einen neuen Keeper rein, der den Rest erledigt. Eine großartige Geschichte war das allemal.
Zudem sollte man nicht vergessen, wie gut die Elfmeter der Holländer geschossen waren, denn der eigentliche nominelle Elfmeterkiller stand bei Costa Rica im Tor!

Holland steht im Halbfinale und trifft dort auf einen alten Bekannten: Argentinien, gegen das es 1978 ein WM-Finale verlor, das sie eigentlich gewinnen hätten sollen. Argentinien hingegen hat den eigentlichen Weltmeister Belgien geschlagen und somit dafür gesorgt, dass die Halbfinalpaarungen sich lesen wie ein Who-is-who der größten Fußballnationen der letzten 50 Jahre. Dass hinter den großen Namen viel heiße Luft steckt, ist uns im Laufe des Turniers klar geworden. Nach dem ersten Spiel hätte ich Argentinien kein Halbfinale zugetraut - vor dem Turnier allerdings schon. Nach dem zweiten Spiel waren meine Zweifel noch größer und sie sind nie kleiner geworden. Jetzt stehen sie trotzdem dort, wo die Erwartungen vor dem Turnier sie eigentlich hingesetzt hätten: Im Halbfinale.

Wie das mit Deutschland und Brasilien ist, habe ich ja schon gesagt: Prinzipiell wäre ein Turniersieg beider Mannschaften irgendwie in Ordnung, wenn auch keine wirklich überzeugt hat. Brasilien hat natürlich nach dem Ausfall von Neymar (und der Sperre von Thiago Silva, die fast noch schlimmer ist) den Auftrag, den Finaleinzug trotzdem zu schaffen. Das gehört zu jeder guten Geschichte dazu. Dass Deutschland da jetzt als Bösewicht auftritt, passt nicht nur den Brasilianern gut ins Konzept. Die Deutschen betonen ein wenig zu viel, dass der Ausfall von Neymar tragisch ist, denn man hätte gerne gegen die allerbesten Brasilianer gespielt (jaja!). Währenddessen sucht Deutschland noch immer seinen WM-Helden, denn momentan sieht man noch auffällig viele mit Merkel-Masken im Publikum sitzen...

Auch, dass jetzt lauter Nicht-Überzeuger im Halbfinale stehen, macht die ganze Sache erst richtig gut: Denn jede mögliche Finalpaarung wäre für sich genommen ein Kracher, so wie die Halbfinalspiele auch schon Kracher sind. Spielerisch erwarten wir uns jetzt eh nichts mehr, weil Belgien, Frankreich und Kolumbien ja weg sind. Aber ich bin mir sicher, dass uns noch einige seltsame und bemerkenswerte Vorkommnisse bevorstehen!

Held des Tages:
Tim Krul, der Elfmeterkiller, der nie einer war, und jetzt doch einer ist. Eine denkwürdige Einwechslung!

Tragischer Held des Tages:
Sneijder, der es immer noch kann, und trotzdem zwei Mal nur das Aluminium traf.

Ein Echo

Ein schmerzhafter Ausfall und ein einfaches Freistoßtor und schon haben wir das erste Klassiker-Halbfinale dastehen. Von Tiki-Taka ist nun weit und breit nichts mehr zu sehen.

 

GER - FRA 1:0




Es macht sich bemerkbar: Spielerisch überlegene Mannschaften kommen auch diesmal nicht zum Zug. So hat die deutsche Mannschaft die Franzosen gestern vor allem durch körperliche Überlegenheit in der Abwehr in Schach halten können. Deutsche Chancen fanden sich vor allem nach Kontern (Schlussphase) bzw. eben bei Standardsituationen. Nach so einer fiel auch das einzige Tor. Der gestern wieder enorm spielende Mats Hummels traf schön per Kopf zum 1:0 - und dabei blieb es auch.


Die Franzosen waren bei dieser WM die spielerisch überzeugendste Mannschaft. Das zeigte sich vor allem in den ersten beiden Gruppenspielen beeindruckend. Das dritte betritt man mit kompletter B-Ganitur, und im Achtelfinale tat man sich gegen inspirierte Nigerianer sichtlich schwer. Dass Frankreich gegen Deutschland sein schnelles Kombinationsspiel aufziehen konnte, überraschte doch ein wenig. Letztlich aber waren es die vielen in die vorderen Reihen gespielten hohen Bälle, die immer wieder zu Ballverlusten führten, weil man zweikampftechnisch eben fast immer das Nachsehen hatte. Mehr Kombinationsspiel - schnelle Passstaffetten und Laufarbeit - wäre vielleicht zielführender gewesen. Bei solchen Aktionen spielte man das deutsche Mittelfeld immer wieder schwindlig.



Gratulation an die deutsche Mannschaft, die nach der zweifelhaften Partie gegen Algerien wieder zu alter Stärke zurückfand. Alt deswegen, weil das allseits gelobte deutsche Angriffsspiel gestern wieder dem traditionelleren Ansatz von Mauern und Kontern weichen musste. Vielleicht liegt es daran, dass die großen Akteure des Klinsmann'schen bzw. Löw'schen Tikitakas deutscher Prägung bei diesem Turnier bisher hinter den Erwartungen geblieben sind. Das betrifft etwa Mesüt Özil, aber auch Sami Khedira, die beide noch vor vier Jahren als das beste Kreativmittelfeld neben den Spaniern galten.

Vielleicht liegt es aber auch an dem deutlichen Scheitern des spanischen Systems, dass man sich jetzt selbst auch nicht mehr zutraut, etwas Ähnliches zu spielen. Man hat mitverfolgt wie TikiTaka zu Grabe getragen wurde; just von einer Mannschaft, die ihren spielerischen Ansatz vor vier Jahren in einem denkwürdigen WM-Finale selbst beerdigt hat. Holland nämlich spielt nur noch kreativen Offensivfußball, wenn es wirklich wirklich muss. Ansonsten herrscht auch hier der Defensivgedanke. Das ist - wie im Falle Deutschland - zwar nicht schändlich, aber schade.



BRA - COL 2:0



Auch Brasilien hat erkannt, dass das juego bonito immer dann dem Ergebnisfußball weichen muss, wenn es in die heiße Phase geht. So sah man gestern gegen Kolumbien, das seinerseits auf das ruppige brasilianische Spiel zu reagieren versuchte, eine hart geführte aber doch gute Partie mit vielen Fouls, die teilweise nicht entsprechend (nämlich früh genug) sanktioniert wurden. Der harte Ansatz zeigt eine Kultur der Spielzerstörung (oder zumindest Spielverhinderung), die auf mangelndem Selbstbewusstsein beruht. Dass ein solcher Ansatz, den Holland im Finale von 2010 schon verfolgt hatte, letztlich nicht belohnt wurde, ist irgendwie gerecht. Auch wenn ich es damals natürlich gerne anders gesehen hätte. Brasilien und Holland könnten auch anders - deswegen ist das schade.


Das Endergebnis stimmt natürlich trotzdem, sowohl auf dem Papier als auch nach dem Spielverlauf. Die zunehmend verkrampft agierende Heimmannschaft steht zu Recht im Halbfinale und trifft dort auf Deutschland. Bezeichnend, dass in beiden Partien, die Tore allesamt von Innenverteidigern erzielt wurden - und aus Standardsituationen. Wir können uns auf ein zerfahrenes Match einstellen, an dessen Ende vielleicht sogar ein Elfmeterschießen steht. Das heißt, solange nicht Julio Cesar in der regulären Spielzeit ein Schnitzer passiert. Das gab es ja auch schonmal…


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Dass so oft die Mannschaft mit dem geringeren Unterhaltungswert gewinnt, macht den Fußball suspekt. Vielleicht ist es dieser Umstand, der das amerikanische Unbehagen dem Soccer gegenüber erklären könnte. Fußball ist nicht gerecht, das habe ich an anderer Stelle schon mal geschrieben. Gerechtigkeit ist keine Kategorie, weil das mit dem Fußballgott, auch wenn er sich anscheinend logisch herleiten lässt, nicht funktioniert. Weil eben nicht immer die bessere Mannschaft gewinnt, oder zumindest die Mannschaft, der wir den Sieg aus verschiedenen Gründen eher gönnen würden, ist Fußball oft höchst unbefriedigend.

Wenn Deutschland, Brasilien oder Holland Weltmeister werden sollten, dann muss man andere Kategorien zur Rechtfertigung bemühen. Deutschland, weil es sich nach all den Jahren wirklich neuartigen deutschen Fußballs einen großen Titel verdient hätte. Dass dieser just bei jenem Turnier folgen würde, bei dem man beginnt, die großen Innovationen wieder ad acta zu legen, wäre natürlich traurig. Aber im Prinzip würde sich Deutschland belohnen für den Mut, eine neue Art Fußball spielen zu wollen.

Brasilien ginge als Eh-immer-Favorit und vor allem als Gastgeber des Turniers auch in Ordnung. Man wird sich in wenigen Jahren eh nur an Neymar erinnern können. Hoffentlich nicht mit der Storyline, dass der große Star im Viertelfinale niedergestreckt wurde und nie mehr zum Einsatz kam.

Holland verdient den Titel seit den 1970ern, und auch wenn von voetbal totaal nicht mehr viel übrig ist, gehört die Niederlande auf die Liste der WM-Titelträger. Genauso wie England. Einfach, weil es irgendwie passt. So nah wie vor vier Jahren sind sie dem Titel zuvor noch nie gekommen (außer 1978). Robben hatte ihn schließlich auf dem Fuß. Wenn es heuer klappen sollte, dann akzeptiert man das, weil Holland wieder am Ende einer großen Generation steht. Es sind noch einige Akteure der großen Niederländischen Mannschaften von 2008 und 2010 dabei: Robben, Sneijder, Van Persie, Kuijt. Diese Fußballer hätten sich einen Titel verdient. Was dieses Turnier anbelangt, geht es darum, dass die Holländer in ihrem Auftaktspiel die Zeitenwende herbeigeführt zu haben scheinen: Tiki-Taka ist ein Wort, das zu einem Echo taugt. Es hallt nach - über alle Kontinente hinweg auf vereins- wie auch auf internationaler Ebene. Aber in Wahrheit haben es immer nur die Spanier gespielt; nur sie haben die Fähigkeit dazu gehabt, nur sie das Personal. Sollte Holland Weltmeister werden, dann haben sie den Titel aus jetziger Sicht allein für die Komplett-Demontage der spanischen Elf verdient. Und für den Symbolcharakter, den dieses Spiel hatte.


Es bleiben noch Argentinien und Belgien. Und für die beiden gilt, was ich oben geschrieben habe genauso: Belgien sollte sich eigentlich durchsetzen - sie haben, ähnlich wie die Franzosen, einen Spielansatz, der auf Kreativität und technisch wie auch taktischem Geschickt beruht. Wie gut so ein belgisches Spiel aussehen kann, das sahen wir gegen die USA. Es bleibt nur zu hoffen, dass ein ähnliches Spiel gegen einen Verhinderungsansatz, wie er bisweilen sogar von Argentinien gespielt wird, erfolgreich sein könnte. Für die Belgier spricht, dass die Mannschaft gefestigter wirkt als jene der Franzosen, und dass sie es auch körperlich mit Dreschern aufnehmen können. Gegen sie spricht die relative Unerfahrenheit, wenn es um die Endphase internationaler Turniere geht bzw. einfach der Umstand, dass sie Belgien sind und nicht Deutschland, Holland, Brasilien oder Argentinien.

Einen großen Namen zu tragen wird vom psychologischen her mit Fortdauer des Turnieres immer wichtiger. Auch, ob man schon einmal Weltmeister war. Deswegen würde auch Holland in einem Finale gegen Deutschland oder Brasilien in dieser Hinsicht einen gewissen Nachteil haben - und Belgien sowieso.


Der Weltmeister kann eigentlich nur Belgien heißen. Aber weil Fußball eben nicht gerecht ist und sich schon gar nicht ausrechnen lässt, wird er höchstwahrscheinlich nicht Belgien heißen. Dennoch lassen sich, wie oben angedeutet, für jede Mannschaft (außer Argentinien und Costa Rica) recht gute Gründe dafür finden, dass ein Titel doch in Ordnung ginge. Wir werden diese Gründe brauchen; Rationalisierung nennt man das in der Küchenpsychologie. Sie macht schmerzvolle Erfahrungen erträglicher, weil wir uns diese erklärlich machen können.



Held des Tages:

Gab es heute nicht wirklich einen. Vielleicht einmal mehr Neuer, der in der 94. Mit einem tollen Reflex den deutschen Sieg rettete.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Soccer is so aberwitzig

Nach einer schläfrigen Partie von Argentinien fanden die Achtelfinalpartien mit der Verlängerung Belgien gg. USA einen mehr als würdigen Abschluss!


Ein Bild, das wir nicht mehr vergessen werden: Das Soldier Field in Chicago überströmt von fußballbegeisterten Amerikanern. Ja, richtig: fußballbegeistert. Nicht Football, sondern Soccer ist gemeint. Mit dieser WM ist der Sport im Mainstream angekommen, oder hat zumindest wieder einen ordentlichen Beachtungsschub erfahren. Und das lag vor allem an Jürgen Klinsmann, der das Team USA Tempofußball spielen ließ, wie man ihn bei diesem Turnier von keinem anderen Team gesehen hat. Dass es am Ende gegen eine technisch und taktisch überlegen europäische Mannschaft nicht gereicht hat, war vorherzusehen. Und trotzdem war auch dieses Ausscheiden der US-Amerikaner großes Drama. Denn sie haben den Belgiern nichts geschenkt, vor allem nicht Tim Howard, der nächste großartige Keeper dieses Turniers.

27 zu 9 Torschüsse zählte die Statistik für Belgien, und nach 90 Minuten konnten es wohl weder die Belgier noch die Amerikaner glauben, dass es immer noch 0:0 stand. Wieder hatte es Klinsmanns Team geschafft, gegen einen spielerisch übermächtigen Gegner den Schaden begrenzt zu halten. Selber konnte man nur selten gefährlich werden - aber wenn, dann brandgefährlich!
Die Belgier haben endlich gezeigt, wozu sie in der Lage sind. Dass es an der Chancenverwertung noch hapert, darüber darf man getrost hinweg sehen, denn sie haben das Spiel über 90 Minuten gemacht und die Amerikaner eigentlich nie wirklich mitspielen lassen. In der Verlängerung setzte es dann auch folgerichtig zwei Tore für die Roten Teufel; Team USA schien geschlagen. Doch Klinsmanns Mannen zeigten erneut, dass man den American Spirit nie unterschätzen darf und warfen alles nach vorne, was sie noch hatten. Tatsächlich reichte das, um die Belgier zu verunsichern und bald stand es 2:1. Clint Dempsey vergab sogar noch eine 100%ige, welche die Tausenden auf dem Soldier Field in Chicago und anderswo in den USA die Gesichter in ihre Hände vergraben ließen.
Soccer can be so aberwitzig! Wenn es dieses deutsche Wort noch nicht in den amerikanischen Sprachgebrauch geschafft hat, würde es mich nicht wundern, wenn es nach dem Belgien-Spiel geschähe. Es würde wohl reichen, spräche Klinsmann das Wort einmal aus. Die Verlängerung von Belgien gg. USA waren vielleicht die spannendsten 30 Minuten dieses Turniers bisher. Am Ende siegte der Favorit, der allmählich seinem Geheimfavoritenstatus gerecht zu werden scheint.

Man trifft jetzt auf Argentinien, das sich gegen eine destruktive Schweizer Nati mal wieder allzu schwer getan hat. Im Spiel gegen Belgien muss bei den Argentiniern etwas passieren. Wenn Belgien aber seine Chancen besser nutzt als gegen die USA, sehe ich die Albi-Celeste nicht im Halbfinale. Sorry, Messi.

Noch ein Wort zu Team Belgien: Es ist schon bezeichnend, auf welch hohem Niveau der belgische Fußball derzeit operiert, und wie die Einzelakteure zum richtigen Zeitpunkt zu glänzen beginnen. Das ist das Kennzeichen einer Turniermannschaft: Dass der wegen seiner bisher schwachen Leistung zuerst auf der Bank sitzende Lukaku eingewechselt wird und kurz danach das erste Tor vorbereitet und das zweite selber macht. Dass der Jungspund Kevin De Bruyne sich dieses Spiel ausgesucht hat, um vorzuführen, was er wirklich drauf hat. Dass der extrem junge Origi als Stürmer eine super Partie gespielt hat; dass Verthongen den bisher besten Außenverteidiger des Turniers gezeigt hat. Da läuft viel Gutes zusammen, und der Zenit wird wohl noch nicht überschritten sein...


 Held des Tages:
 Romelu Lukaku, ein Joker, wie er im Buche steht. Er brachte die Wende in Belgiens Spiel und hat sich wohl rehabilitiert.


 Tragischer Held des Tages:
 Erneut der Torwart der unterlegenen Mannschaft. Tim Howard, der Glatzkopf mit dem beeindruckenden Bart ist vielleicht hauptverantwortlich dafür, dass Belgien nicht schon zur Full Time als Sieger vom Platz gehen konnte. Respect the Keeper!


Donnerstag, 26. Juni 2014

Letzte Runde

Die Vorrunde neigt sich dem Ende zu. Die noch ausstehenden Entscheidungen sind unter "Eh schon wurscht" zu verbuchen. Da lohnt ein Blick auf die schon feststehenden Achtelfinalpartien!


Das Spiel Argentinien gegen Nigeria habe ich nur zur Hälfte gesehen. Also ich habe in Summe vielleicht 10 Minuten versäumt. Allerdings handelte es sich jeweils um die Anfangsphasen der Halbzeiten. Also habe ich von insgesamt fünf Toren nur eines gesehen. Das war das Freistoßtor von Messi kurz vor der Halbzeit. Großartig hineingezirkelt war das. Vor allem, weil nur wenige Minuten davor Messi den genau gleichen Freistoß geschossen hat, den Enyeama noch sensationell halten konnte. Beim zweiten mal war es eben dann ein Tor. Und fast hätte ich das auch nicht gesehen, weil ich dazu neige, mir Nachspielzeiten in der ersten Halbzeit zu sparen. Seit den letzten Spielen dieser WM bin ich da ein bisschen vorsichtiger geworden und werde es in Zukunft weiterhin sein! Aber auch was die Beginnzeiten betrifft, muss ich besser aufpassen. Das "Abtasten" funktioniert in Brasilien ein bisschen anders: Da schießt man erstmal ein Tor und schaut dann weiter. Und während man noch schaut, bekommt man auch schon wieder eines. Gut, ein 1:1 ist ungefähr ein 0:0, also passt das schon. Nichts versäumt, außer halt die Tore.


Argentinien scheint erwacht zu sein. Zumindest traute man sich zu, auch ein Weilchen ohne Lionel Messi zu spielen. Der Floh ist in eigenartiger Verfassung. Er hat bis jetzt kein besonders gutes Turnier gespielt, seine Mannschaft hält aber trotzdem bei drei Siegen und er selbst hat vier Tore in drei Spielen erzielt. Also rein von den Zahlen her gibt's nichts zu meckern. Hat er also doch ein gutes Turnier gespielt? Habe ich es nach der ersten Runde noch für vollkommen unmöglich gehalten, Argentinien im Finale zu sehen, kann jetzt schon wieder alles passieren.
Zu meckern gibt es auch nichts bei der Schweiz, die mit einem souveränen 3:0-Sieg gegen den Gruppenaußenseiter Honduras ins Achtelfinale eingezogen ist. Und Nigeria hat es trotz knapper Niederlage auch geschafft. Läuft ja alles wunderbar, und während wir die Gruppenphase langsam aber sicher hinter uns lassen und uns mit Wohlwollen an sie erinnern, wissen wir schon über die ersten Achtelfinalpartien Bescheid...


Da treffen zum Beispiel Costa Rica und Griechenland aufeinander. Hand hoch, wer darauf gewettet hat, dass es eines der beiden Teams ins Viertelfinale schafft! Ich wünsche jedenfalls Costa Rica alles Gute; sollte kein Turnier-Bammel einsetzen, müsste es gegen die Griechen klappen. Kann auch ein mühsames Unentschieden mit Elfmeterschießen werden, ich wünsche es uns aber nicht! Nicht wegen des Elferschießens, sondern wegen der 120 Minuten davor.

Argentinien trifft auf die Schweiz, das wird für beide Teams schwierig. Da aber Argentinien momentan im Aufwind und die Schweiz an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen ist, wage ich keine andere Prognose als den relativ sicheren Sieg der Albiceleste. Messi schlurft 90 Minuten herum, macht aber trotzdem irgendwie drei Tore und wird wieder Man of the Match.

Die Niederlande ist die Mannschaft mit den bisher meisten erzielten Toren in diesem Turnier. Es könnte sein, dass sich dieser Trend fortsetzt, doch im Achtelfinale wartet ein harter Brocken: Mexiko. Allein das Duell der Coaches, van Gaal gegen Herrera, ist sein Geld wert. Ich hätte gerne eine Kamera, die das ganze Spiel nur die Trainerbänke filmt und die Reaktionen der beiden einfängt. (Ein Spiel in strömendem Regen würde noch für zusätzliche Dramatik sorgen.) Es gibt für dieses Spiel drei wahrscheinliche Varianten: Holland gewinnt knapp und glücklich, Holland gewinnt überzeugend und überraschend deutlich, oder Holland scheidet im Elfmeterschießen aus, weil der großartige mexikanische Tormann Ochoa seinem Heldenstatus gerecht wird. Zuckerl für den, der weiterkommt: Es wartet der Sieger aus Griechenland gg. Costa Rica!

Die Mannschaft mit den zweitmeisten Toren ist ... - na? Richtig: Kolumbien! Die dürfen im Achtelfinale gegen die bösen Urus ran. Ein hervorragendes Duell schon allein deshalb, weil hier ein Geheimfavorit der Herzen auf die große Buhmannschaft trifft - so verhält es sich zumindest in meiner Welt. Habe ich bisher Kolumbien wohlwollend verfolgt, so werde ich (nur für dieses eine Spiel) zum glühenden Verehrer der Cafetieros. Schon allein deswegen, weil Kolumbien jetzt die Mannschaft ist, zu deren Nationalhymne ich meinen tiefen Schluck Espresso trinken werde. So wie ich es bis jetzt - ich gestehe - bei den Italienern gemacht habe und nun nicht mehr tun kann.

Was sehe ich da noch? Brasilien gegen Chile! Das hatten wir ja vor vier Jahren schon mal. Da siegte Brasilien klar mit 3:0. Chile galt vielen damals als die Entdeckung des Turniers, und sie haben es wirklich geschafft, diesen Nimbus in dieses Turnier herüber zu retten. Ob es diesmal besser ausgeht für die Chilenen? Ich wage es zu bezweifeln, aber auf ein erneutes 3:0 würde ich nicht wetten wollen, denn wer gegen Kamerun ein Tor kassiert, der kassiert gegen Chile mindestens zwei!

Frankreich gegen Nigeria heißt eine weitere Achtelfinalpaarung, die bereits fest steht. Eigentlich spricht nichts gegen ein Weiterkommen der Franzosen, dafür war ihr Auftreten bisher zu souverän. Aber ja, auch Nigeria hat sich gebessert; ein Sieg gegen Frankreich wäre trotzdem eine Überraschung. Noch einmal der nigerianische Tormann Enyeama, noch einmal sein hysterisches Gekreische bei jedem gegenerischen Angriff!


Fürwahr: eine sehr südamerikanische WM ist das geworden. Das obere Viertel des Playoff-Baums ist gar nur mit südamerikanischen Mannschaften besetzt. Das heißt, dass mindestens eine davon im Halbfinale steht. Das heißt aber auch, dass drei davon vorher ausscheiden. Also eigentlich heißt das recht wenig. Wer geht uns überhaupt ab? Freilich, die Italiener hätten wir schon gebraucht, und die Engländer hätten sich zumindest das Achtelfinale und ein Ausscheiden im Elferschießen verdient gehabt. Portugal ist unglücklich ausgeschieden und auch sie gehen uns ab, weil es eine absolut KO-taugliche Mannschaft ist. Spanien, der amtierende Weltmeister, hätte es sich rein vom Papier her verdient, glorreicher auszuscheiden.

Aber weinen wir nicht jenen nach, die uns kein Fußballgott mehr zurückbringen kann. Erfreuen wir uns an wiedererstarkten Franzosen, den Immer-noch-Geheimfavoriten Belgien und den Überraschungsmannschaften aus Kolumbien und Costa Rica, die da auch ein bisschen mitmischen wollen. Und was wir uns von den USA erwarten dürfen, wissen wir spätestens nach dem heutigen Spiel gegen Deutschland!

Montag, 16. Juni 2014

Verschnaufpause

Ein Schiedsrichter als Held, das Deutsche an der Torlinientechnologie und ein fragwürdiges Argentinien machen den Tag trotz fehlender Knaller interessant.


So eine WM ist ganz schön anstrengend. Abgesehen davon, dass man gezwungen ist, teilweise bis spät in die Nacht hinein fragwürdige Begegnungen zu verfolgen bzw. diese nur zähneknirschend zu versäumen wagt, löst sich schon nach zweieinhalb Spieltagen die ganze Ordnung auf, die man sich vorher im Kopf gemacht hat: Nach drei Tagen weiß man schon nicht mehr, wer in welcher Gruppe spielt, welche Gruppe heute dran ist, geschweige denn wann jetzt welches Spiel stattfindet. Vor dem inneren Auge verschwimmen die Flaggen von Kolumbien, Ecuador und Costa Rica zu einer panamerikanischen Einheitsfahne, man glaubt plötzlich an jeder Ecke Sambatrommeln zu hören, und erst wenn man ORF einschaltet und die unterirdischen Bemühungen der dortigen Akteure sehen muss, die alle irgendwie modern und hip sein wollen, krallt man sich entnervt einen von den vierzehn Spielplänen, die in Fernsehernähe herumliegen, um sich wieder zu ordnen. Ein Tag, an dem in drei Spielen drei Außenseiter zu Werke gehen, eignet sich als Verschnaufpause, die man dringend braucht, vor allem nach diesen atemlosen ersten Stunden der Weltmeisterschaft, die jetzt schon in der Erinnerung zu einem Euphoriebrei zu verschmelzen drohen.

Noch immer umnebelt von der Klassepartie zwischen England und Italien und dem Ärgernis über das Versäumnis des Nachtspiels saß man dann gestern um 18 Uhr vor dem Fernseher, um sich den "Heuler" Schweiz gegen Ecuador anzusehen. Was man da zu sehen bekam war eine irgendwie rumpelnde Schweizer Nati, der wir Österreicher immer neidisch sein können, weil sie aus annähernd gleicher Ausgangsposition so viel mehr zusammengebracht haben als wir.
Dass diese Entwicklung nicht geschenkt ist und harte Arbeit braucht, um weiter vorangetrieben zu werden, und dass es dann auch mal natürliche Grenzen dieser Entwicklung gibt, könnte diese Weltmeisterschaft zeigen. Einen Vorgeschmack bekamen wir im ersten Spiel gegen Ecuador, in dem sich die Schweizer etwas schwerer als erwartet getan haben bzw. Ecuador eine bessere Figur gemacht hat als man ihnen zugetraut hatte.

SUI - ECU 2:1


So gingen die Südamerikaner frech in Führung, was die Schweiz dazu veranlasste, ein bisschen mehr zu rackern, auch wenn nicht immer alles recht zusammenlaufen wollte. Ottmar Hitzfeld brachte in Hälfte 2 Admir Mehmedi und der schoss gleich den Ausgleich. Man sah, dass Ecuador am Limit angelangt war, und sie blieben auch gefährlich. Ein Sieg wäre dann doch eine Überraschung gewesen und mit einem Unentschieden hätten sogar die Schweizer zufrieden sein müssen. Sie gaben sich aber nicht zufrieden und versuchten weiter Druck zu machen. In der Nachspielzeit passierte dann etwas Wunderbares: Behrami wurde im Mittelfeld bei einem letzten Versuch, einen schnellen Vorstoß einzuleiten, gefoult. Weil aber Behrami bereits wieder auf den Beinen war, bevor er überhaupt am Boden lag, entschied Schiedsrichter Rawschan Irmatov auf Vorteil und ließ das Spiel laufen. Behrami gab den Ball ab und drei Sekunden später zappelte der bereits im Netz: Haris Seferovic traf für die Schweizer zum 2:1 Endstand.

Bei aller Diskussion über Schiedsrichter-Fehlentscheidungen muss man hier den usbekischen Schiri loben, der die Situation blitzschnell erfasst und richtig bewertet hat. Die schweizer Schiedsrichter-Legende Urs Meier (Analyst für das deutsche Fernsehen) zeigte sich nach dem Spiel geradezu exaltiert: Auf die Vorteil-Entscheidung angesprochen sprach Meier von einer geradezu genialen Aktion, von einem "Vorteil wie Weihnachten und Ostern zusammen". Es ist selten, dass Schiedsrichter mit besonders guten Entscheidungen beeindrucken, aber Irmatov hat da gestern Tolles geleistet und ganz nebenbei der Schweiz den Sieg ermöglicht.

FRA - HON 3:0


Das Spiel Frankreich gegen Honduras stand unter keinem guten Stern. So nahmen die Spieler für die Nationalhymnen Aufstellung, warteten und auf einmal begannen die Honduraner, die französische Equipe für den Pre-Match-Handshake abzulaufen. Der ZDF-Kommentator meinte zunächst, es handle sich dabei um ein Missverständnis der Honduraner. "Die wissen wohl nicht über den Ablauf Bescheid!", dachte er sich als typischer Deutscher vermutlich. In Wahrheit aber war die Tonanlage des Stadions ausgefallen und das Match musste ohne Hymnen losgehen. Tragisch vor allem für die Franzosen, denn ohne Marsellaise geht da normalerweise gar nichts. Glücklicherweise hieß der Gegner Honduras und nicht etwa England!

Das Spiel war dann die erwartet ruppige Partie seitens der Honduraner. Schlimm, wenn man als Mannschaft, die sich berechtigte Hoffnungen auf die KO-Phase macht, ein Match gegen solche Rüpel nicht nur heil überstehen, sondern auch gewinnen muss. Frankreich aber meisterte diese Aufgabe mehr oder weniger gelassen. Und wir freuten uns über den ersten Einsatz der Torlinien-Technik, die ein Tor gab, das aus vier von fünf Kamerawinkeln nicht als solches zu erkennen war. Mehrmals wurde in der Folge darauf hingewiesen, dass diese Technik aus Deutschland stamme. Denn obwohl wir nun endlich diese Technologie haben, fangen jetzt wieder die ersten an zu behaupten, die Diskussionen würden trotzdem nicht ausbleiben, weil es immer noch welche gibt, die daheim vor dem Fernseher sitzen und zwischen zwei Bierrülpsern behaupten könnten "Für mich war der nicht drin!". War er aber! Weil die Technologie das gesagt hat. Und weil die aus Deutschland kommt! Käme sie nämlich aus Burundi oder Palau, dann würde man ernsthafte Zweifel anmelden können. So aber nicht! Deutsche Technologie ist unfehlbarer als der argentinische Papst!

ARG - BIH 2:1


Dann spätabends der von vielen herbeigesehnte erste Auftritt der Albiceleste. Das große, nominell so außergewöhnlich besetzte Argentinien, dem von vielen im Vorfeld als einzige aller Mannschaften zugetraut wurde, den sicheren Titel für Brasilien verhindern zu können. Am besten im Finale. Und am besten im Maracana. Aber Argentiniens Auftritt gegen WM-Neuling Bosnien war gestern alles andere als glamourös. Er war eher desaströs und peinlich, vor allem in der ersten Hälfte. Dass Argentiniens Teamchef Sabella seine Mannschaft mit fünf Defensiven auflaufen ließ, und so zum Beispiel Higuain und Gago auf der Bank ließ, war eigentlich nur als Scherz verstehbar. Solcherlei Scherze traute man vor vier Jahren nur Ex-Teamchef Diego Maradona zu. Aber gegen Bosnien mit 5 Mann hinten - bei dieser Offensivqualität?

Vielleicht war es deshalb, dass Messi vollkommen neben sich stand. Der Floh, der im argentinischen Nationaldress bei einer WM noch nie wirklich überzeugen konnte, steht auch diesmal unter enormen Druck. Weil das argentinische Spiel auf ihn ausgerichtet ist und so auch auseinanderfällt, wenn er die Leistung nicht erbringt. Das ist eigentlich ein Ansatz, der zum Scheitern verurteilt ist, vor allem, weil Argentinien es bei der Qualität seines Kaders nicht nötig hätte.
Messi lief gestern in Hälfte eins vielleicht sogar weniger als vorgestern Andrea Pirlo. Nur, dass Pirlo eben dafür da ist, die anderen laufen zu lassen. Die Argentinier kamen glücklich zu einem frühen Tor. In der zweiten Halbzeit vergab Messi zuerst einen Freistoß kläglich und machte dann wenige Minuten später das, wofür er bekannt ist. Und er feierte seien Treffer zum 2:0 wie er sonst selten ein Tor feiert. Es muss ihm eine Last von den Schultern gefallen sein! Wir können es nur hoffen, denn es wäre wirklich schade, wenn so ein Fußballer im Nationalteam unerfolgreich bleiben würde.

Ich bin mir nur nicht sicher, ob ein Treffer gegen Bosnien die erhoffte erlösende Wirkung hat und Messi jetzt den Fluch, der auf ihn zu lasten scheint, wirklich abschütteln kann. Dass das Tor trotzdem wichtig war, bekam ich nur noch mit, als ich, bereits im Bett liegend, Jubelschreie aus dem nahegelegenen bosnischen Lokal hörte, das noch vor wenigen Tagen ein kroatisches Lokal war, aber eigentlich von Albanern geführt wird. Es ist ja doch irgendwie alles eins...
2:1 ist für argentinische Verhältnisse schwach, aber man ist mit 3 Punkten ins Turnier gestartet. Wenn man von den taktischen Blödsinnigkeiten was lernt und Messi sich wirklich noch steigert, dann wird man vielleicht an die hohen Erwartungen heranreichen. Momentan aber sehe ich Argentinien nicht im Finale.


Held des Tages:
Weil sonst immer die Scheidsrichter die Buhmänner sein müssen, steht hier jetzt stolz und zu Recht der Usbeke Rawschan Irmatov mit seinem "Vorteil wie Weihnachten und Ostern zusammen".

Buhmann des Tages:
Alejandro Sabella, der argentinische Trainer. Er hat mit seiner Startaufstellung das falsche Signal gesendet. An die Fans, an die Mannschaft, an die Bosnier, vor allem aber an Lionel Messi, der im riesigen Maracana-Stadion tatsächlich klein wie ein Floh wirkte.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Der Katzentisch

Sieht exotisch aus, aber was ist drin, in den Gruppen E und F? Eine Einladung an den Katzentisch...


Die Gruppen E und F kommen mir ein bisschen lahmarschig vor. Da sind zwar Teams wie Frankreich und Argentinien zu finden, aber eben leider auch solche wie Honduras und Ecuador. Abseits der durchaus interressanten Gruppen A, C und D sowie der Hammergruppen B und auch G, fristen diese ein Dasein auf dem Katzentisch. Ich hoffe, ich täusche mich mit dieser Einschätzung, aber bei Teams wie Iran, Bosnien, Ecuador und Honduras vergeht mir ein bisschen der Fußball-Appetit. Vielleicht verhält es sich aber mit diesen Teams so wie mit dem jeweiligen landestypischen Essen: Zuerst graust es einen, wenn man es sieht, dann probiert man und findet es eh nicht schlecht. Daheim erzählt man dann allen, wie toll das Essen war, aber wenn man dann zum Iraner um die Ecke geht, bleibt es meistens auch bei nur einem Besuch.

Meiner Seel, die Gruppe E! Schweiz vor Ecuador, Frankreich und Honduras- wer hätte sich das vor 10 Jahren vorstellen können? Die braven Eidgenossen haben in Sachen Fußballentwicklung fast alles richtig gemacht, in den letzten großen Turnieren eine ordentliche Figur abgegeben und sind obendrein neben Brasilien das einzige Team, das Spanien in den letzten Jahren schlagen konnte. Leider hat es ihnen vor vier Jahren nichts gebracht, denn sie sind trotz Sieg gegen Spanien in der Vorrunde ausgeschieden.

Frankreich hatte 2010 einen Totalausfall zu verzeichnen und schied ebenfalls in der Vorrunde aus. Der dumme Trainer Domenech, der seine Mannschaft nach Sternzeichen aufstellte, und interne Querelen ließen die Franzosen in Südafrika sang- und klanglos untergehen. Bei der Euro vor zwei Jahren gab es eine Rehabilitierung. Les Bleus sind auf dem Weg zurück, aber wohin wird dieser führen? Man müsste wohl Gruppensieger werden, um Argentinien im Achtelfinale zu vermeiden. Ein absolut realistisches Ziel!

Ecuador qualifizierte sich für die WM-Endrunde punktegleich mit Uruguay, das heißt aber wenig. Ecuador ist vielleicht das neue Paraguay - irgendwie dabei, weil in jeder Gruppe vier Mannschaften sein sollen, aber letzten Endes doch als Quoten-Exot, als Fußball-Zwerg.
Doch halt, die Gruppe E hat zwei solcher Exoten zu bieten. Honduras möchte auch mitspielen, so wie beim letzten Mal. Da holten sie gegen die Schweiz sogar einen Punkt! Ob sich das die Eidgenossen ein zweites Mal bieten lassen?

Wer an einem Aufstieg von Frankreich und Schweiz zweifelt, der ist mutig.

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In der Gruppe F steht der zweite große Favorit auf den Titel. Argentinien soll ja so gut sein wie seit Jahren nicht mehr. Sagt wer? Hmm... Maradona vielleicht. Pelé sicher nicht. Die Wettbüros wahrscheinlich, denn die muss man schließlich fragen, wenn man Bescheid wissen will.
Aber mal ehrlich: Der Kader stimmt, der Trainer stimmt diesmal auch. Jetzt muss nur noch Messi das Einhalten, was er nie versprochen hat, aber alle von ihm erwarten: Argentinien zum Titel schießen! Klingt einfach, wird aber sauschwer. Das Achtelfinale ist noch zu meistern, da geht es gegen Frankreich oder die Schweiz. Danach aber könnte schon Deutschland lauern, und das hat in den letzten WMs nicht immer so gut geklappt.

Bosnien und Herzegowina treten als ein Team an, das ist schonmal das erste große Ding. Da wird wieder ge-itscht was das Zeug hält. Ibisevic, Spahic, Pjanic, Hajrovic,... Immerhin: Dzeko. Was ist den Bosniaken zuzutrauen? Dass ihre Fans sich lautstark in österreichischen Städten bemerkbar machen werden. Ansonsten gilt wie für Ecuador und Honduras die Unschuldsvermutung.

Und zwar, weil Nigeria so stark sein wird. So stark wie noch nie. Sie werden zwar gegen Deutschland im Achtelfinale ausscheiden müssen, aber dann werden alle sagen, wie schade das doch war, weil Nigeria, Mann, die haben toll gespielt...
Was in der echten Welt geschieht, wer weiß das schon? Aber Team Nigeria traue ich wieder mal eine richtig gute Vorstellung zu. Dem Iran nicht! Aber Vorsicht! Schurkenstaaten sind nie zu unterschätzen, siehe Nordkorea vor vier Jahren. Ähem...

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Worauf wir uns freuen können:

Die Gruppen E und F sehen nicht arg spannend aus. Aber wir dürfen gespannt sein, in welcher Verfassung die Franzosen sind und wie die Argentinier ins Turnier starten. Argentinien-Nigeria könnte interessant werden. Oder nein, eigentlich nicht...


Was wir lieber nicht sehen wollen:

Muss man sich alle Spiele ansehen? Oder kann man Bosnien gegen Iran oder Honduras gegen Ecuador auch mal auslassen? Ich denke, dass diese Spiele nicht zu unrecht bei uns erst um 24 Uhr zu sehen sind....