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Donnerstag, 26. Juni 2014

Letzte Runde

Die Vorrunde neigt sich dem Ende zu. Die noch ausstehenden Entscheidungen sind unter "Eh schon wurscht" zu verbuchen. Da lohnt ein Blick auf die schon feststehenden Achtelfinalpartien!


Das Spiel Argentinien gegen Nigeria habe ich nur zur Hälfte gesehen. Also ich habe in Summe vielleicht 10 Minuten versäumt. Allerdings handelte es sich jeweils um die Anfangsphasen der Halbzeiten. Also habe ich von insgesamt fünf Toren nur eines gesehen. Das war das Freistoßtor von Messi kurz vor der Halbzeit. Großartig hineingezirkelt war das. Vor allem, weil nur wenige Minuten davor Messi den genau gleichen Freistoß geschossen hat, den Enyeama noch sensationell halten konnte. Beim zweiten mal war es eben dann ein Tor. Und fast hätte ich das auch nicht gesehen, weil ich dazu neige, mir Nachspielzeiten in der ersten Halbzeit zu sparen. Seit den letzten Spielen dieser WM bin ich da ein bisschen vorsichtiger geworden und werde es in Zukunft weiterhin sein! Aber auch was die Beginnzeiten betrifft, muss ich besser aufpassen. Das "Abtasten" funktioniert in Brasilien ein bisschen anders: Da schießt man erstmal ein Tor und schaut dann weiter. Und während man noch schaut, bekommt man auch schon wieder eines. Gut, ein 1:1 ist ungefähr ein 0:0, also passt das schon. Nichts versäumt, außer halt die Tore.


Argentinien scheint erwacht zu sein. Zumindest traute man sich zu, auch ein Weilchen ohne Lionel Messi zu spielen. Der Floh ist in eigenartiger Verfassung. Er hat bis jetzt kein besonders gutes Turnier gespielt, seine Mannschaft hält aber trotzdem bei drei Siegen und er selbst hat vier Tore in drei Spielen erzielt. Also rein von den Zahlen her gibt's nichts zu meckern. Hat er also doch ein gutes Turnier gespielt? Habe ich es nach der ersten Runde noch für vollkommen unmöglich gehalten, Argentinien im Finale zu sehen, kann jetzt schon wieder alles passieren.
Zu meckern gibt es auch nichts bei der Schweiz, die mit einem souveränen 3:0-Sieg gegen den Gruppenaußenseiter Honduras ins Achtelfinale eingezogen ist. Und Nigeria hat es trotz knapper Niederlage auch geschafft. Läuft ja alles wunderbar, und während wir die Gruppenphase langsam aber sicher hinter uns lassen und uns mit Wohlwollen an sie erinnern, wissen wir schon über die ersten Achtelfinalpartien Bescheid...


Da treffen zum Beispiel Costa Rica und Griechenland aufeinander. Hand hoch, wer darauf gewettet hat, dass es eines der beiden Teams ins Viertelfinale schafft! Ich wünsche jedenfalls Costa Rica alles Gute; sollte kein Turnier-Bammel einsetzen, müsste es gegen die Griechen klappen. Kann auch ein mühsames Unentschieden mit Elfmeterschießen werden, ich wünsche es uns aber nicht! Nicht wegen des Elferschießens, sondern wegen der 120 Minuten davor.

Argentinien trifft auf die Schweiz, das wird für beide Teams schwierig. Da aber Argentinien momentan im Aufwind und die Schweiz an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen ist, wage ich keine andere Prognose als den relativ sicheren Sieg der Albiceleste. Messi schlurft 90 Minuten herum, macht aber trotzdem irgendwie drei Tore und wird wieder Man of the Match.

Die Niederlande ist die Mannschaft mit den bisher meisten erzielten Toren in diesem Turnier. Es könnte sein, dass sich dieser Trend fortsetzt, doch im Achtelfinale wartet ein harter Brocken: Mexiko. Allein das Duell der Coaches, van Gaal gegen Herrera, ist sein Geld wert. Ich hätte gerne eine Kamera, die das ganze Spiel nur die Trainerbänke filmt und die Reaktionen der beiden einfängt. (Ein Spiel in strömendem Regen würde noch für zusätzliche Dramatik sorgen.) Es gibt für dieses Spiel drei wahrscheinliche Varianten: Holland gewinnt knapp und glücklich, Holland gewinnt überzeugend und überraschend deutlich, oder Holland scheidet im Elfmeterschießen aus, weil der großartige mexikanische Tormann Ochoa seinem Heldenstatus gerecht wird. Zuckerl für den, der weiterkommt: Es wartet der Sieger aus Griechenland gg. Costa Rica!

Die Mannschaft mit den zweitmeisten Toren ist ... - na? Richtig: Kolumbien! Die dürfen im Achtelfinale gegen die bösen Urus ran. Ein hervorragendes Duell schon allein deshalb, weil hier ein Geheimfavorit der Herzen auf die große Buhmannschaft trifft - so verhält es sich zumindest in meiner Welt. Habe ich bisher Kolumbien wohlwollend verfolgt, so werde ich (nur für dieses eine Spiel) zum glühenden Verehrer der Cafetieros. Schon allein deswegen, weil Kolumbien jetzt die Mannschaft ist, zu deren Nationalhymne ich meinen tiefen Schluck Espresso trinken werde. So wie ich es bis jetzt - ich gestehe - bei den Italienern gemacht habe und nun nicht mehr tun kann.

Was sehe ich da noch? Brasilien gegen Chile! Das hatten wir ja vor vier Jahren schon mal. Da siegte Brasilien klar mit 3:0. Chile galt vielen damals als die Entdeckung des Turniers, und sie haben es wirklich geschafft, diesen Nimbus in dieses Turnier herüber zu retten. Ob es diesmal besser ausgeht für die Chilenen? Ich wage es zu bezweifeln, aber auf ein erneutes 3:0 würde ich nicht wetten wollen, denn wer gegen Kamerun ein Tor kassiert, der kassiert gegen Chile mindestens zwei!

Frankreich gegen Nigeria heißt eine weitere Achtelfinalpaarung, die bereits fest steht. Eigentlich spricht nichts gegen ein Weiterkommen der Franzosen, dafür war ihr Auftreten bisher zu souverän. Aber ja, auch Nigeria hat sich gebessert; ein Sieg gegen Frankreich wäre trotzdem eine Überraschung. Noch einmal der nigerianische Tormann Enyeama, noch einmal sein hysterisches Gekreische bei jedem gegenerischen Angriff!


Fürwahr: eine sehr südamerikanische WM ist das geworden. Das obere Viertel des Playoff-Baums ist gar nur mit südamerikanischen Mannschaften besetzt. Das heißt, dass mindestens eine davon im Halbfinale steht. Das heißt aber auch, dass drei davon vorher ausscheiden. Also eigentlich heißt das recht wenig. Wer geht uns überhaupt ab? Freilich, die Italiener hätten wir schon gebraucht, und die Engländer hätten sich zumindest das Achtelfinale und ein Ausscheiden im Elferschießen verdient gehabt. Portugal ist unglücklich ausgeschieden und auch sie gehen uns ab, weil es eine absolut KO-taugliche Mannschaft ist. Spanien, der amtierende Weltmeister, hätte es sich rein vom Papier her verdient, glorreicher auszuscheiden.

Aber weinen wir nicht jenen nach, die uns kein Fußballgott mehr zurückbringen kann. Erfreuen wir uns an wiedererstarkten Franzosen, den Immer-noch-Geheimfavoriten Belgien und den Überraschungsmannschaften aus Kolumbien und Costa Rica, die da auch ein bisschen mitmischen wollen. Und was wir uns von den USA erwarten dürfen, wissen wir spätestens nach dem heutigen Spiel gegen Deutschland!

Mittwoch, 25. Juni 2014

Fleisch und Knochen

Da ist ja wirklich alles dabe, bei dieser WM. Aber wie viel kann der Zuschauer überhaupt ertragen? Langsam wird's wahnsinnig...


Ich habe gegen Anfang dieser WM geschrieben, dass wir bald wissen werden, wer die Helden und Schurken dieses Turniers sein werden. Die letzten beiden Tage haben uns diesbezüglich einen sehr deutlichen Hinweis gegeben. Auch wenn wir dazu neigen, im Sinne einer dramatischen Inszenierung gerne Schwarz-weiß-Malerei zu betreiben: Ganz astreine Helden und Schurken produziert dieses Großereignis natürlich nicht. Und nach einer bisher atemberaubenden Vorrunde droht die WM ein allzu vorhersehbares Ende zu nehmen...


BRA - CAM 4:1


Das war also die große Neymar-Show. Und wie beeindruckend sie war! Nicht nur, dass der Manga-Neymar zwei Tore geschossen hat und jetzt wieder die Torschützenliste anführt. Nein, er hat auch deutlich gezeigt, dass ohne ihn bei Brasilien recht wenig geht. Der Stoff, aus dem Helden sind: Einer nimmt sich der Sache an, hat Mut und reißt die anderen mit. Tatsächlich hat Neymar gewirkt als wäre die WM für ihn eine einzige unbeschwerte Party. Er war gut drauf, ließ sich zu Scherzen hinreißen, posierte in der Halbzeitpause für Fotos auf dem Weg in die Kabine... Neymar, das WM-Maskottchen. Etwas besseres kann dem Turnier, vor allem aus brasilianischer Sicht, nicht passieren.

Und trotzdem bleibt ein fahler Beigeschmack. Irgendwie ist Neymar zu wenig "Fleisch und Knochen", wie Oli Kahn es in Bezug auf etwas ganz anderes formuliert hat (s.u.). Er ist tatsächlich ein Maskottchen, er sieht nicht nur so aus. Klar, er macht seine Tore. Aber die Abhängigkeit der Brasilianer (sowohl auf dem Platz als auch emotional) ist gefährlich. Siehe Argentinien, das ohne Messi überhaupt nicht funktioniert. Auch Messi hat bis jetzt "geliefert", ohne dass er gut gespielt hätte. Rein von den Ergebnissen her kann man weder Neymar noch Messi irgendeinen Vorwurf machen. Allein, es kommt mir alles zu wenig vor. Wenn aber Brasilien so weitermacht, dann werden sie Weltmeister, getragen von einer Welle der Begeisterung, wie nur Neymar sie auszulösen vermag. Und sonst werden sie halt Weltmeister der Herzen...


NED - CHI 2:0


Apropos Weltmeister der Herzen. Das ist Holland ja seit dem letzten WM-Finale nicht mehr. Und immer noch fällt dem ORF-Kommentator (ich glaube, es war Oliver Polzer - oder Boris Kastner-Jirka, ich kann die beiden Mickymaus-Stimmen eh nie auseinander halten) zu Nigel de Jong nichts anderes ein als irgendwas mit "Kung-Fu"-Attacke etc. Weil das ewige Herumreiten auf vorgefertigen Schemata nervt (de Jong ein übler Treter, Robben hat nur Einser-Schmäh etc.), schalte ich auf ZDF um und bin erleichtert, als keine zwei Minuten später der dortige Kommentator de Jongs Stellungsspiel und Übersicht lobt. Dass ein Sechser oft ein Raubein ist, ist geschenkt. Dass de Jong nicht immer die angenehmsten Fouls begeht, auch. Aber wenn einem zu diesem Spieler nicht mehr einfällt, dann bedient man Gemeinplätze und spielt Kronenzeitung.

Ansonsten haben die Niederländer wieder gezeigt, dass sie auch mit einem destruktiven Ansatz so gewinnen können, dass es aussieht, als hätten sie das Spiel tatsächlich dominiert. Eine Lehrstunde für alle zukünftigen Gegner von Chile war das allemal. Und Holland schlingert bei diesem Turnier irgendwo zwischen 2008 und 2010 umher, mit leichten 2012-Phasen. Soll heißen: Ein aufregendes, offensivbetontes Spiel nach vorne wechselt sich mit einem vorsichtigem, abwartendem Defensiv- und Kontergeplänkel ab, und dann und wann gibt es Phasen, in denen weder vorne noch hinten irgendwas zusammenläuft. Insofern ist Holland schwer einzuschätzen, obwohl sie bis jetzt die einzige Mannschaft mit drei Siegen ist. Vom Finale bis zum Ausscheiden im Achtelfinale ist jetzt alles drin!


ITA - URU 0:1


Ich habe weiter oben geschrieben, dass nun alles danach aussieht, dass diese WM ein allzu vorhersehbares Ende nimmt. Das Ausscheiden Italiens ist ein erstes Anzeichen dafür, denn tatsächlich scheint sich der prognostizierte Südamerika-Vorteil bemerkbar zu machen. Uruguay hat nach einem total versemmelten ersten Spiel und einem furiosen zweiten nun die Aufgabe gehabt, die italienische Abwehr zu knacken. Denn Italien hätte zum Weiterkommen nur ein Unentschieden benötigt, und schnell war klar, dass genau das ihr Ziel war: das 0:0 zu halten. Das war mir ein bisschen zu viel Italien, wie es früher einmal gewesen ist. Auch hier zu wenig "Fleisch und Knochen", mehr bröseliges Gerippe. Uruguay tat sich trotzdem schwer, bekam aber ein Geschenk vom Schiedsrichter, der Marchisio nach einem normalen Gelb-Foul mit der roten Karte bediente. Urs Meier und Oli Kahn in der Analyse der Situation: Nicht rot-würdig, weil nicht zur bisherigen Linie des Turniers passend, der Wichtigkeit des Spiels nicht angemessen, und überhaupt das Foul hatte "zu wenig Fleisch und Knochen" (Kahn).

Egal, Italien zu zehnt spielt wie Italien zu elft, wenn es nur verteidigen muss. Dass dann Suarez, nachdem er sich im Spiel gegen England zum Helden seines Landes gemacht hat, Chiellini in die Schulter beißt, und das natürlich niemand gesehen hat, ist typisch. Es erinnert mich an meine Kindheit und die vielen Wrestling-Matches, die man gesehen hat, von denen man glaubte, sie wären nicht inszeniert. Da lenkt der Manager des Bösewichts den Ringrichter ab, während der Bösewicht dem Guten einen Klappstuhl um die Ohren schlägt. Umgekehrt wird jede fragwürdige Aktion des Guten sofort vom Ringrichter abgemahnt. Meist endet es damit, dass beide Akteuere erschöpft am Boden liegen, samt Ringrichter, weil auch der bei irgendeiner Aktion bewusstlos geworden war, und der Gute versucht einen Pin, den der Ringrichter aber nicht zählen kann, weil er ja noch so benommen ist. Da kommt dann der Manager des Bösen mit Klappstuhl, schlägt ihm den Guten auf den Kopf, der Böse erwacht gleichzeitig mit dem Ringrichter aus der Bewusstlosigkeit, pinnt den Guten und der Kampf ist gewonnen. So, oder so ähnlich war es auch mit Suarez und Uruguay.


Italiens Ausscheiden ist traurig, weil immer noch die erste halbfinalreife Partie gegen England nachklingt. Und das betrifft beide Mannschaften. Italiens Ausscheiden geht aber auch in Ordnung, das haben die letzten beiden Partien gezeigt. Dass jetzt der Außenseiter Costa Rica und das grausige Uruguay weiter sind, ist hoffentlich keine Plotkonstruktion, die den Rest des Turniers halten wird. Denn letzt läuft diese WM Gefahr, zu kippen: Jetzt kann es so sein, dass immer die Mannschaft, die man sich zu seinem momentanen Favoriten erwählt hat, gegen eine Pfui-Mannschaft ausscheidet. Vorsicht also Frankreich, vorsicht Holland! Ich halte große Stücke auf euch!
Und am Ende steht Deutschland gegen Brasilien im Finale und sie revanchieren sich für die verpatzte Heim-WM vor 8 Jahren. Ein schweißtreibender Albtraum! Denn bei aller spielerischer Fragwürdigkeit, darf man nicht vergessen, dass Deutschland eines hat: Fleisch und Knochen!



Held der letzten zwei Tage:
Neymar, der Unbeschwerte. Nur, wenn er bis zum Schluss so weitermacht, kauf ich ihm den Schmäh ab.

Buhmann der letzten zwei Tage:
Luis Suarez, wer sonst? Die Hackfresse von Uruguay, der Beißer von Natal - ein Mensch aus Fleisch und Knochen, doch ohne jede Moral.

Montag, 16. Juni 2014

Verschnaufpause

Ein Schiedsrichter als Held, das Deutsche an der Torlinientechnologie und ein fragwürdiges Argentinien machen den Tag trotz fehlender Knaller interessant.


So eine WM ist ganz schön anstrengend. Abgesehen davon, dass man gezwungen ist, teilweise bis spät in die Nacht hinein fragwürdige Begegnungen zu verfolgen bzw. diese nur zähneknirschend zu versäumen wagt, löst sich schon nach zweieinhalb Spieltagen die ganze Ordnung auf, die man sich vorher im Kopf gemacht hat: Nach drei Tagen weiß man schon nicht mehr, wer in welcher Gruppe spielt, welche Gruppe heute dran ist, geschweige denn wann jetzt welches Spiel stattfindet. Vor dem inneren Auge verschwimmen die Flaggen von Kolumbien, Ecuador und Costa Rica zu einer panamerikanischen Einheitsfahne, man glaubt plötzlich an jeder Ecke Sambatrommeln zu hören, und erst wenn man ORF einschaltet und die unterirdischen Bemühungen der dortigen Akteure sehen muss, die alle irgendwie modern und hip sein wollen, krallt man sich entnervt einen von den vierzehn Spielplänen, die in Fernsehernähe herumliegen, um sich wieder zu ordnen. Ein Tag, an dem in drei Spielen drei Außenseiter zu Werke gehen, eignet sich als Verschnaufpause, die man dringend braucht, vor allem nach diesen atemlosen ersten Stunden der Weltmeisterschaft, die jetzt schon in der Erinnerung zu einem Euphoriebrei zu verschmelzen drohen.

Noch immer umnebelt von der Klassepartie zwischen England und Italien und dem Ärgernis über das Versäumnis des Nachtspiels saß man dann gestern um 18 Uhr vor dem Fernseher, um sich den "Heuler" Schweiz gegen Ecuador anzusehen. Was man da zu sehen bekam war eine irgendwie rumpelnde Schweizer Nati, der wir Österreicher immer neidisch sein können, weil sie aus annähernd gleicher Ausgangsposition so viel mehr zusammengebracht haben als wir.
Dass diese Entwicklung nicht geschenkt ist und harte Arbeit braucht, um weiter vorangetrieben zu werden, und dass es dann auch mal natürliche Grenzen dieser Entwicklung gibt, könnte diese Weltmeisterschaft zeigen. Einen Vorgeschmack bekamen wir im ersten Spiel gegen Ecuador, in dem sich die Schweizer etwas schwerer als erwartet getan haben bzw. Ecuador eine bessere Figur gemacht hat als man ihnen zugetraut hatte.

SUI - ECU 2:1


So gingen die Südamerikaner frech in Führung, was die Schweiz dazu veranlasste, ein bisschen mehr zu rackern, auch wenn nicht immer alles recht zusammenlaufen wollte. Ottmar Hitzfeld brachte in Hälfte 2 Admir Mehmedi und der schoss gleich den Ausgleich. Man sah, dass Ecuador am Limit angelangt war, und sie blieben auch gefährlich. Ein Sieg wäre dann doch eine Überraschung gewesen und mit einem Unentschieden hätten sogar die Schweizer zufrieden sein müssen. Sie gaben sich aber nicht zufrieden und versuchten weiter Druck zu machen. In der Nachspielzeit passierte dann etwas Wunderbares: Behrami wurde im Mittelfeld bei einem letzten Versuch, einen schnellen Vorstoß einzuleiten, gefoult. Weil aber Behrami bereits wieder auf den Beinen war, bevor er überhaupt am Boden lag, entschied Schiedsrichter Rawschan Irmatov auf Vorteil und ließ das Spiel laufen. Behrami gab den Ball ab und drei Sekunden später zappelte der bereits im Netz: Haris Seferovic traf für die Schweizer zum 2:1 Endstand.

Bei aller Diskussion über Schiedsrichter-Fehlentscheidungen muss man hier den usbekischen Schiri loben, der die Situation blitzschnell erfasst und richtig bewertet hat. Die schweizer Schiedsrichter-Legende Urs Meier (Analyst für das deutsche Fernsehen) zeigte sich nach dem Spiel geradezu exaltiert: Auf die Vorteil-Entscheidung angesprochen sprach Meier von einer geradezu genialen Aktion, von einem "Vorteil wie Weihnachten und Ostern zusammen". Es ist selten, dass Schiedsrichter mit besonders guten Entscheidungen beeindrucken, aber Irmatov hat da gestern Tolles geleistet und ganz nebenbei der Schweiz den Sieg ermöglicht.

FRA - HON 3:0


Das Spiel Frankreich gegen Honduras stand unter keinem guten Stern. So nahmen die Spieler für die Nationalhymnen Aufstellung, warteten und auf einmal begannen die Honduraner, die französische Equipe für den Pre-Match-Handshake abzulaufen. Der ZDF-Kommentator meinte zunächst, es handle sich dabei um ein Missverständnis der Honduraner. "Die wissen wohl nicht über den Ablauf Bescheid!", dachte er sich als typischer Deutscher vermutlich. In Wahrheit aber war die Tonanlage des Stadions ausgefallen und das Match musste ohne Hymnen losgehen. Tragisch vor allem für die Franzosen, denn ohne Marsellaise geht da normalerweise gar nichts. Glücklicherweise hieß der Gegner Honduras und nicht etwa England!

Das Spiel war dann die erwartet ruppige Partie seitens der Honduraner. Schlimm, wenn man als Mannschaft, die sich berechtigte Hoffnungen auf die KO-Phase macht, ein Match gegen solche Rüpel nicht nur heil überstehen, sondern auch gewinnen muss. Frankreich aber meisterte diese Aufgabe mehr oder weniger gelassen. Und wir freuten uns über den ersten Einsatz der Torlinien-Technik, die ein Tor gab, das aus vier von fünf Kamerawinkeln nicht als solches zu erkennen war. Mehrmals wurde in der Folge darauf hingewiesen, dass diese Technik aus Deutschland stamme. Denn obwohl wir nun endlich diese Technologie haben, fangen jetzt wieder die ersten an zu behaupten, die Diskussionen würden trotzdem nicht ausbleiben, weil es immer noch welche gibt, die daheim vor dem Fernseher sitzen und zwischen zwei Bierrülpsern behaupten könnten "Für mich war der nicht drin!". War er aber! Weil die Technologie das gesagt hat. Und weil die aus Deutschland kommt! Käme sie nämlich aus Burundi oder Palau, dann würde man ernsthafte Zweifel anmelden können. So aber nicht! Deutsche Technologie ist unfehlbarer als der argentinische Papst!

ARG - BIH 2:1


Dann spätabends der von vielen herbeigesehnte erste Auftritt der Albiceleste. Das große, nominell so außergewöhnlich besetzte Argentinien, dem von vielen im Vorfeld als einzige aller Mannschaften zugetraut wurde, den sicheren Titel für Brasilien verhindern zu können. Am besten im Finale. Und am besten im Maracana. Aber Argentiniens Auftritt gegen WM-Neuling Bosnien war gestern alles andere als glamourös. Er war eher desaströs und peinlich, vor allem in der ersten Hälfte. Dass Argentiniens Teamchef Sabella seine Mannschaft mit fünf Defensiven auflaufen ließ, und so zum Beispiel Higuain und Gago auf der Bank ließ, war eigentlich nur als Scherz verstehbar. Solcherlei Scherze traute man vor vier Jahren nur Ex-Teamchef Diego Maradona zu. Aber gegen Bosnien mit 5 Mann hinten - bei dieser Offensivqualität?

Vielleicht war es deshalb, dass Messi vollkommen neben sich stand. Der Floh, der im argentinischen Nationaldress bei einer WM noch nie wirklich überzeugen konnte, steht auch diesmal unter enormen Druck. Weil das argentinische Spiel auf ihn ausgerichtet ist und so auch auseinanderfällt, wenn er die Leistung nicht erbringt. Das ist eigentlich ein Ansatz, der zum Scheitern verurteilt ist, vor allem, weil Argentinien es bei der Qualität seines Kaders nicht nötig hätte.
Messi lief gestern in Hälfte eins vielleicht sogar weniger als vorgestern Andrea Pirlo. Nur, dass Pirlo eben dafür da ist, die anderen laufen zu lassen. Die Argentinier kamen glücklich zu einem frühen Tor. In der zweiten Halbzeit vergab Messi zuerst einen Freistoß kläglich und machte dann wenige Minuten später das, wofür er bekannt ist. Und er feierte seien Treffer zum 2:0 wie er sonst selten ein Tor feiert. Es muss ihm eine Last von den Schultern gefallen sein! Wir können es nur hoffen, denn es wäre wirklich schade, wenn so ein Fußballer im Nationalteam unerfolgreich bleiben würde.

Ich bin mir nur nicht sicher, ob ein Treffer gegen Bosnien die erhoffte erlösende Wirkung hat und Messi jetzt den Fluch, der auf ihn zu lasten scheint, wirklich abschütteln kann. Dass das Tor trotzdem wichtig war, bekam ich nur noch mit, als ich, bereits im Bett liegend, Jubelschreie aus dem nahegelegenen bosnischen Lokal hörte, das noch vor wenigen Tagen ein kroatisches Lokal war, aber eigentlich von Albanern geführt wird. Es ist ja doch irgendwie alles eins...
2:1 ist für argentinische Verhältnisse schwach, aber man ist mit 3 Punkten ins Turnier gestartet. Wenn man von den taktischen Blödsinnigkeiten was lernt und Messi sich wirklich noch steigert, dann wird man vielleicht an die hohen Erwartungen heranreichen. Momentan aber sehe ich Argentinien nicht im Finale.


Held des Tages:
Weil sonst immer die Scheidsrichter die Buhmänner sein müssen, steht hier jetzt stolz und zu Recht der Usbeke Rawschan Irmatov mit seinem "Vorteil wie Weihnachten und Ostern zusammen".

Buhmann des Tages:
Alejandro Sabella, der argentinische Trainer. Er hat mit seiner Startaufstellung das falsche Signal gesendet. An die Fans, an die Mannschaft, an die Bosnier, vor allem aber an Lionel Messi, der im riesigen Maracana-Stadion tatsächlich klein wie ein Floh wirkte.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Bald haben wir es überstanden

Heute geht‘s für England, die USA, Deutschland und Serbien um den Einzug in die KO-Phase. Ghana will aber auch!


Die Endspiele der Gruppenphase sind im Gange und bald haben wir die lästigen Rechnereien wie auch das langweilige Ballgeschiebe hinter uns. Es geht in die heiße Phase und das heißt für die Teams die Spirenzien abstellen, die Beleidigungen vergessen und die Revolten über Bord werfen. Konzentration und Wille sind jetzt gefragt. Ab jetzt hat man es selbst in der Hand - und Dummheiten werden gleich bestraft.

Argentiniens Teamguru Diego Maradona wurde im Vorfeld des letzten Gruppenspiels gegen Nigeria gefragt, ob er Lionel Messi schonen würde, da am Aufstieg ja kein Zweifel mehr bestehe. Diego Maradona drauf: "Er ist der beste Spieler der Welt, es wäre eine Sünde, ihn den Menschen vorzuenthalten." Das ist Diego Maradona! Das ist Argentinien. Das ist das Wirkungsvolle im Gewand des Schönen. Dass Messi für das Spiel der Argentinier von zentraler Bedeutung ist, weiß Maradona ja. Aber er sagt es nicht. Er sagt, er möchte dass alle Menschen Messi spielen sehen. Ein anderer hätte vielleicht gesagt: "Nein, Messi ist für unsere Spielanlage wichtig. Wir wollen nicht auf ihn verzichten, er ist der Motor in unserem Angriffsspiel." Oder so ähnlich. Da geht's dann nur um die Mannschaft selbst (wir, wir, wir). Maradona aber sagt das nicht nur anders, ich glaube, er denkt es auch anders. Vielleicht mag es sein, dass ihm Taktik nicht ganz so egal ist, wie man gemeinhin glaubt. Wieviel des argentinischen Taktikkonzepts tatsächlich auf Maradonas Kappe geht, weiß man eben nicht. Aber wieviel es auch sein mag, eines scheint mir sicher: Maradona glaubt genau das, was er gesagt hat. Er glaubt an die Genialität und die Schönheit von Messis Spiel und er glaubt, dass man Messi spielen lassen muss, damit ihn die ganze Welt sehen kann. Das ist fantastisch, das ist ganz wunderbar; der Satz wie auch die Einstellung und die Idee dahinter. Gott gab uns Maradona, Maradona gibt uns Messi.

Und den gab er uns auch – plus eine Restmannschaft (B-Elf gibt’s ja bei den ganz guten nicht), die, so wirkte es zumindest, nicht wirklich auf einander eingespielt war. Trotzdem war Messi wieder der stärkste Mann und spielte Chancen heraus, die irgendwann auch zu Toren führen mussten. Selber blieb ihm aber schon wieder der erste WM-Treffer versagt – es ist wie verhext. Die Griechen taten ihr übriges zum Spiel. Otto Rehagels Team musste gewinnen, um noch aufsteigen zu können. Deshalb liefen die Gammelgriechen mit einem flotten 6-3-1 auf. Entsprechend wenig Offensivaktionen bekam man von denen dann auch zu sehen. Wenn man selbst in Ballbesitz nicht bereit ist, eine Fünferkette aufzulösen, dann kann einem auch keiner mehr helfen. Rehagel meinte nach dem Spiel, er hätte seiner Mannschaft gesagt, dass da nach vorne mehr kommen muss. Ich glaube, da hat er gelogen. Wenn er das seiner Mannschaft gesagt hätte, und die dann trotzdem so spielen, dann sind sie nicht ganz richtig im Kopf. Lieber glaube ich, dass Rehagel uns am Schmäh gehalten hat.

Auch Nigeria hat uns ein bissl am Schmäh gehalten. Mit denen ist gestern auch die vorletzte afrikanische Mannschaft endgültig ausgeschieden. Das war alles in allem einfach zu fahrlässig. Den Südkoreanern Tore schenken und dann selbst nach der Reihe 100-prozentige Chancen verhauen, das geht einfach nicht. Aber gut ist, dass so auch der Zuseher sieht, dass das nicht achtelfinalwürdig ist und deshalb die Mannschaft zu Recht ausscheidet. Südkorea wird es dann im Achtelfinale eh gegen Uruguay fressen - Case closed.

Frankreich hat, wie erwartet, alles runtergeleert, was es zum runterleeren gab. Der Domenech-Dodel war naturgemäß beleidigt, hat alle Krawallmacher auf der Bank sitzen lassen und jetzt sind sie zu Recht ausgeschieden. Wir freuen uns, dass dieses in allen Belangen unsagbar furchtbare Team weg ist und dass der Gastgeber noch einen Ehrensieg einfahren konnte.

Was war noch? Ahja, Mexiko: Sehr solide, leider wird gegen Argentinien wahrscheinlich Schluss sein. Eigentlich schade, aber wer weiß, was uns da noch erwartet!

England versucht, das Schlimmste abzuwenden und es nicht Frankreich gleich zu tun. John Terry hat sich für seine kritischen Äußerungen entschuldigt und damit scheint die „Revolte“ erledigt zu sein. Vielleicht will man im letzten Spiel gegen Slowenien doch noch ein bisschen Fußball spielen. Heute haben es in der Gruppe zwei die nominellen Favoriten in der Hand. Siege müssen für England und die USA her, dann ist man weiter. Um Platz zwei sich zu streiten, sollte eigentlich beiden zu blöd sein. Also bitte Eier zeigen und der Favoritenrolle gerecht werden!

In der Gruppe D will Deutschland wieder vorzeitig Weltmeister werden und Ghana sich als einzige afrikanische Mannschaft fürs Achtelfinale qualifizieren. Vielleicht gelingt Asamoah Gyan wieder ein tolles Elfmetertor? Aber Achtung, auch die Serben möchten noch aufsteigen und genau wie die Deutschen, wäre hierfür ein Sieg das beste. Australien bleibt sympathisch und wir möchten sie auch beim nächsten Mal wieder dabei haben. Vielleicht aber werden gerade die Aussies für die Serben heute zum Spielverderber?


Spieler des Tages: Yakubu Aiyegbeni. Er vergab zwei Chancen für Nigeria kläglichst, traf das leere Tor aus zwei Metern Entfernung nicht, was ihm bis jetzt bei dieser WM in dieser Form noch keiner nachgemacht hat. Dann aber verwandelte er einen Elfmeter zum Ausgleich - und das ziemlich gut und kaltschnäuzig. Irgendwie stellvertretend für die Mannschaft. Das ist eine Ehren-Nominierung zum Spieler des Tages. Ich sag zum Abschied leise Servus zu Nigeria.

Freitag, 18. Juni 2010

Verspätungen

Wenn sich der Blog verspätet, muss etwas passiert sein. Über das Erwachen der WM.


Wir haben es ja gewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Wenige Tore, wenige Überraschungen - und so vertrieben wir uns die Zeit uns über die Tormannfehler lustig zu machen und uns über die Vuvuzelas aufzuregen. Das ist jetzt aber vorbei. Über Tormannfehler regen wir uns nicht mehr auf, weil sie mittlerweile schon zu dieser WM gehören wie die Vuvuzelas in die Stadien. Über Letztere regen wir uns nicht mehr auf, weil wir uns daran gewöhnt haben - wie man sich an Baustellenlärm gewöhnen kann; nicht richtig, aber die Aufregung ist es nicht mehr wert.

Ja was war denn da mit Spanien los? Haben die doch tatsächlich gegen die Eidgenossen verloren. „Erste große Sensation der WM“, hört man da alle sagen. Dabei haben uns die Spanier nicht einmal enttäuscht, denn das Spiel hat ja gepasst, nur scheint da irgendwas mit der Chancenverwertung nicht hinzuhauen. Anders die Schweizer, die den Ball ins Tor stolpern - was aber nicht heißt, dass die nicht sonst auch gute Chancen gehabt haben. Die Schweizer Abwehr hat den Charakter einer Skimannschaft - nicht sehr schön, aber effizient. An diesen Skifahrern, die auch nach der Verletzung des hässlichen Senderos weiter hoch konzentriert arbeiteten, bissen sich die Spanier die Zähne aus. Tikitaka, ja, aber irgendwie wirkten sie wie die Argentinier und die Holländer in deren ersten Matches - gute Kombination, ausgezeichnetes Passspiel, aber noch einen Tick zu langsam und faul, wenns dann wirklich zum 16er geht. Spanien absolut steigerungsfähig, die Schweiz mit Chancen aufs Achtelfinale.

Und Chile? Ist einer dieser wirklichen Geheimtipps. Das ist wohl der offensivste Fußball, den man als Konzept für die Mannschaft bei dieser WM sehen wird. Offensivlawine, kompletter Overload in der Hälfte des Gegners, viel Vertikalspiel. Das kann erfolgreich sein - vorausgesetzt, es passt auch hier die Chancenverwertung, man kann das Tempo über das Turnier halten und man trifft nicht auf eine Mannschaft, die von einem Kaliber wie Guus Hiddink trainiert wird (der ja eh nicht dabei ist, aber es gibt auch noch andere Teamchefs, die wissen, wie man auf so was reagieren kann).

Dann die große Enttäuschung - unsere herzallerliebsten Südafrikaner sind im Match gegen die Urus untergegangen. Letztere konnten sich im Vergleich zum Spiel gegen Frankreich merklich steigern - hatten es aber auch leichter gegen diese südafrikanische Mannschaft, die in der Verteidigung nicht immer aufpasst und im Spielaufbau an Österreich erinnert. Deswegen werden sie auch als erstes Gastgeberland in der Vorrunde ausscheiden, weil Mexiko sich gegen Frankreich steigern konnte und sich den Aufstieg zusammen mit Uruguay verdient. Frankreich verdient nichts. Auch nicht Spott und Häme, weil man ja eh vorher schon wusste, dass das heuer nix wird. Südafrika? Wir wünschen ihnen gegen Frankreich einen Sieg, von ganzem Herzen!

Die nächsten unglücklichen Afrikaner: Nigeria. Nach einer Führung gegen die ungustiösen Gammelgriechen ging mit Keita das Temperament durch. Der ließ sich zu einer Tätlichkeit gegen Torosidis hinreißen und sah dafür rot. Dumme Geschichte, ganz dumme Geschichte. Denn wenn du den Griechen die Chance gibst, dann holen sie sich den Treffer. Irgendwie. Leider hat der, nach dem ersten Spiel mit Lob überschüttete, nigerianische Torhüter Enyeama nach weiteren zahlreichen Glanztaten dann doch einmal Pech gehabt. Der Ball springt ihm aus der Hand, und der Hellene (ebenjener Torosidis) staubt ab. Ja, abstauben können sie, die Griechen! Jedenfalls lebt jetzt die Chance für die Griechen weiter - zumindest bis zum Argentinien-Match. Wir sehen uns jetzt gezwungen, die Südkoreaner bei ihrem Spiel gegen Nigeria zu unterstützen. Das ist schade.

A propos Argentinien. Auch die kommen jetzt richtig in Fahrt. Das 4:1 gegen die Südkoreaner war jetzt schön langsam eines Weltmeisters in spe würdig. An der Seitenlinie zappelte wieder der argentinische Voodoo-Priester Maradona auf und ab, sah dafür eine konstante Leistung seiner Mannschaft in der ersten Hälfte, die beinahe 2:0 geendet hätte... Wäre da nicht der dumme Demichelis, dieser Bayern-München-Ungustl, der sich stümperhaft von einem Koreaner den Ball abnehmen lässt, was den Anschlusstreffer kurz vor der Pause sichert. Also musste man in der zweiten Halbzeit wieder ran und einen komfortablen Vorsprung herausspielen. Und das taten sie dann auch, mit Messi als dem besten Spieler am Platz. Es ist aber wie verhext - der schießt und schießt kein Tor. Bezeichnend dafür das 3:1, das er super herausspielt. Der Schuss trifft aber dann das Bein des Torhüters, von dort kommt er wieder zurück zu Messi, der schießt nochmal, um dann nur die Stange zu treffen. Der Abstauber ist dann drin - Torschütze Higuain, der in der Partie 3 von 4 Toren erzielte. Tolle Vorstellung, wir freuen uns auf das Achtelfinale.

Frankreich. Raymond Domenech. An dem hat man sich genauso satt gesehen wie an den Evras, Maloudas, Anelkas und Henrys. Letzterer hat irgendwie Maskottchenstatus und wurde nichtmal zum Füßevertreten eingewechselt. Domenech wechselte sowieso nur zwei Mal. Wahrscheinlich hatte er keine Lust, genauso wie wir keine Lust mehr haben, diese Mannschaft zu sehen. Weg mit den Franzosen, schafft euch einen neuen Coach und eine frische Mannschaft an und kommt in zwei Jahren bei der Euro wieder. Da hätten wir mit den Iren, denen ihr mit einem Handspiel die Chance auf die WM vermasselt habt, mehr Freude gehabt. Für das Match gegen Südafrika wünschen wir euch wieder 0 Tore, damit dieser Domenech auch ganz sicher weg ist, und sich Südafrika anständig verabschieden kann. Au Revoir, Tricolore!

Wir sind also verspätet zu einem heißen Turnier mit anständigen Toren gekommen. Jetzt geht‘s also wirklich los. Für ein paar Zuspätgekommene (Frankreich, Südafrika) scheint es jetzt auch schon wieder vorbei zu sein. Wer zu spät kommt...

Nicht zu spät kommen möchte ich jetzt zum Deutschland-Spiel gegen Serbien, denn da erwartet uns wahrscheinlich auch wieder Einiges. Deshalb heute kein Kurz notiert. Für einen Spieler des Tages (der Tage) ist aber noch Zeit.



Spieler des vorgestrigen Tages: Diego Forlán, dem Uru-Bomber aus Madrid, Spielmacher und Goalgetter zugleich. Zwei goldene Schuhe hat er schon (die hatte er auch an, wie irgendein ORF-Experte, wahrscheinlich Zsak oder Mählich, meinte -huhuhu). Bei der WM wird‘s schwieriger, da spielt noch ein gewisser Higuain in einem besseren Team.

Spieler des gestrigen Tages: Lionel Messi. Weil er immer so viel lacht. Auch wenn er verschießt - er lacht. Die Verkörperung der Freude am Spiel, das kreative Herz der Argentinier (auch wenn wir gesehen haben, dass nicht nur er zaubern kann) und Quelle der Inspiration. Wir wünschen ihm - wenn schon nicht dem Rest der Mannschaft - den WM-Pokal.

Sonntag, 6. Juni 2010

Vom Größtmöglichen und Mindestnötigen

Maradona - der Größte aller Zeiten?

Es gibt nur einen Messi. Und es gibt nur einen Maradona. Zweifellos bot Lionel Messi in der vergangenen Saison eine herausragende Leistung. Also musste sich Maradona wieder Vergleiche gefallen lassen, die den kleinen Barcelona-Spieler fußballerisch gleichauf sahen, ihm eine große Zukunft prophezeiten usf. Aber kannte man das nicht schon? Gibt es nicht alle paar Jahre einen „neuen Maradona“?

Und warum Maradona? Der ist doch eigentlich nur mehr peinlich und größenwahnsinnig, oder? Vielleicht. Aber er ist eben auch der größte aller Zeiten - so sagt man zumindest. Und dieser Ruf ist seinem fußballerischen Können geschuldet. Und man kann sich streiten, ob nicht doch vielleicht Pelé der größere war oder irgendein Spieler der Fußball-Neuzeit (die spätestens seit dem Europameister Griechenland sich zeitet), da man ja Spielweise, Fitness etc. gar nicht mehr vergleichen kann usw.

Ja, aber dann kommt ein Messi und spielt wie einst Maradona. Und er zeigt uns, dass es noch möglich ist, das schöne Spiel; dass es nicht im taktikzerfahrenen Geplänkel zermalmt werden muss, sondern dass individuelle Klasse und Verspieltheit wieder Wert haben. Mehr Wert denn je, denn Spieler wie Messi machen - so hört man es von den sogenannten Experten - den Unterschied. Oft hört man auch „der kann ein Spiel allein entscheiden“, auch wenn das vielleicht Blödsinn ist. Der Zuseher aber sieht eines: Fußball kann (wieder) schön sein. Und das macht Spaß.

Um die leidige Messi-Maradona-Diskussion abzuhaken, hier nun meine Sicht der argentinischen Sache. Die argentinische Mannschaft ist nominell gesehen zu den Stärksten zu zählen und damit sind sie einer von einer Hand voll Titelfavoriten. Die Frage ist nun: Gelingt es Argentinien, sich in den Rausch zu spielen, den diese Mannschaft braucht um zaubern zu können - den Rausch, dessen spielerische Verkörperung Lionel Messi ist? Der Vater dieses Rausches muss und kann nur Diego Maradona sein. Man stelle sich vor, man ist Spieler der argentinischen Nationalmannschaft und hat das Glück vom Größten aller Zeiten trainiert zu werden. Oder das Pech - denn Maradona mag vielleicht ein Motivator sein, aber Taktiker ist er keiner. Sagen die Experten. Soll heißen: Argentiniens Spiel läuft entweder von selbst oder gar nicht. Anders formuliert: Entweder die mähen alles nieder oder diese WM gerät zu einer einzigen Peinlichkeit für die Gauchos.

Das bedeutet für Maradona: Entweder er wird wirklich zum Größten aller Zeiten - indem er nämlich als Trainer auch noch die Weltmeisterschaft holt (sagt Andi H.). Oder er wird zum Buhmann der Nation, womit sein Ruf angeknackst bleiben würde und man weiterhin Diskussionen zu führen hätte, ob er denn nun wirklich der Größte aller Zeiten sei. Hopp oder Tropp heißt es also für Argentinien. Und ob dieses Hopp funktioniert, ist gleichsam eine der zentralen Fragen dieser WM: Ist die Fußballneuzeit (Griechenland!) vielleicht nicht schon vorbei? Kann man mit bloßer taktischer Ausgefeiltheit und Brillanz Turniere gewinnen, auch wenn die großen Einzelgenies fehlen?

Freilich, es gehört immer beides dazu. Aber die vergangenen Großereignisse zeichnen ein zweideutiges Bild. Auf der einen Seite die EM von 2008 mit dem Europameister Spanien, der sich in die Herzen aller Fußballfans gespielt hat. Dann der FC Barcelona mit seinem Championsleague-Sieg im letzten Jahr, der das vermeintliche Griechenland-Trauma, das uns die EM 04 beschert hat (Defensivfußball: Jaja, taktisch total interessant, aber sind wir uns ehrlich: laaangweilig!), endgültig in Grund und Boden spielte bzw. es uns vergessen ließ. Aber dann gab es 2008 auch die Russen, die sicherlich ein, zwei gute Spieler hatten, deren Erfolg aber zu 90% auf die geniale taktische Leistung ihres Trainers Guus Hiddink zurückzuführen war, und die dann die anderen Vertreter des lustvollen Offensivspiels (Niederlande) ausschalteten. Und dann gewann Inter Mailand heuer die Championsleague, eine Mannschaft also, die traditionellen italienischen Defensivfußball mit einen ebenso genialischen Taktiker (Jose Mourinho) verband und damit sowohl die katalanische Verspieltheit (FC Barcelona), als auch den deutschen Herz- und Kampffußball (FC Bayern) zerstörte.


Was bleibt zu sagen? Dass es spannend wird. Aber das wussten wir vorher auch schon. Eigentlich weiß man im Fußball immer alles schon im Vorhinein. Der Reiz besteht ja meist darin, dass es dann doch nicht so ist. Der Reiz des Fußballs ist eine Enttäuschung auf der einen, zugunsten einer Sensation auf der anderen Seite. Wir schauen Fußball, weil wir enttäuscht werden wollen - aber bitte sensationell enttäuscht!