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Donnerstag, 12. Juni 2014

Der Katzentisch

Sieht exotisch aus, aber was ist drin, in den Gruppen E und F? Eine Einladung an den Katzentisch...


Die Gruppen E und F kommen mir ein bisschen lahmarschig vor. Da sind zwar Teams wie Frankreich und Argentinien zu finden, aber eben leider auch solche wie Honduras und Ecuador. Abseits der durchaus interressanten Gruppen A, C und D sowie der Hammergruppen B und auch G, fristen diese ein Dasein auf dem Katzentisch. Ich hoffe, ich täusche mich mit dieser Einschätzung, aber bei Teams wie Iran, Bosnien, Ecuador und Honduras vergeht mir ein bisschen der Fußball-Appetit. Vielleicht verhält es sich aber mit diesen Teams so wie mit dem jeweiligen landestypischen Essen: Zuerst graust es einen, wenn man es sieht, dann probiert man und findet es eh nicht schlecht. Daheim erzählt man dann allen, wie toll das Essen war, aber wenn man dann zum Iraner um die Ecke geht, bleibt es meistens auch bei nur einem Besuch.

Meiner Seel, die Gruppe E! Schweiz vor Ecuador, Frankreich und Honduras- wer hätte sich das vor 10 Jahren vorstellen können? Die braven Eidgenossen haben in Sachen Fußballentwicklung fast alles richtig gemacht, in den letzten großen Turnieren eine ordentliche Figur abgegeben und sind obendrein neben Brasilien das einzige Team, das Spanien in den letzten Jahren schlagen konnte. Leider hat es ihnen vor vier Jahren nichts gebracht, denn sie sind trotz Sieg gegen Spanien in der Vorrunde ausgeschieden.

Frankreich hatte 2010 einen Totalausfall zu verzeichnen und schied ebenfalls in der Vorrunde aus. Der dumme Trainer Domenech, der seine Mannschaft nach Sternzeichen aufstellte, und interne Querelen ließen die Franzosen in Südafrika sang- und klanglos untergehen. Bei der Euro vor zwei Jahren gab es eine Rehabilitierung. Les Bleus sind auf dem Weg zurück, aber wohin wird dieser führen? Man müsste wohl Gruppensieger werden, um Argentinien im Achtelfinale zu vermeiden. Ein absolut realistisches Ziel!

Ecuador qualifizierte sich für die WM-Endrunde punktegleich mit Uruguay, das heißt aber wenig. Ecuador ist vielleicht das neue Paraguay - irgendwie dabei, weil in jeder Gruppe vier Mannschaften sein sollen, aber letzten Endes doch als Quoten-Exot, als Fußball-Zwerg.
Doch halt, die Gruppe E hat zwei solcher Exoten zu bieten. Honduras möchte auch mitspielen, so wie beim letzten Mal. Da holten sie gegen die Schweiz sogar einen Punkt! Ob sich das die Eidgenossen ein zweites Mal bieten lassen?

Wer an einem Aufstieg von Frankreich und Schweiz zweifelt, der ist mutig.

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In der Gruppe F steht der zweite große Favorit auf den Titel. Argentinien soll ja so gut sein wie seit Jahren nicht mehr. Sagt wer? Hmm... Maradona vielleicht. Pelé sicher nicht. Die Wettbüros wahrscheinlich, denn die muss man schließlich fragen, wenn man Bescheid wissen will.
Aber mal ehrlich: Der Kader stimmt, der Trainer stimmt diesmal auch. Jetzt muss nur noch Messi das Einhalten, was er nie versprochen hat, aber alle von ihm erwarten: Argentinien zum Titel schießen! Klingt einfach, wird aber sauschwer. Das Achtelfinale ist noch zu meistern, da geht es gegen Frankreich oder die Schweiz. Danach aber könnte schon Deutschland lauern, und das hat in den letzten WMs nicht immer so gut geklappt.

Bosnien und Herzegowina treten als ein Team an, das ist schonmal das erste große Ding. Da wird wieder ge-itscht was das Zeug hält. Ibisevic, Spahic, Pjanic, Hajrovic,... Immerhin: Dzeko. Was ist den Bosniaken zuzutrauen? Dass ihre Fans sich lautstark in österreichischen Städten bemerkbar machen werden. Ansonsten gilt wie für Ecuador und Honduras die Unschuldsvermutung.

Und zwar, weil Nigeria so stark sein wird. So stark wie noch nie. Sie werden zwar gegen Deutschland im Achtelfinale ausscheiden müssen, aber dann werden alle sagen, wie schade das doch war, weil Nigeria, Mann, die haben toll gespielt...
Was in der echten Welt geschieht, wer weiß das schon? Aber Team Nigeria traue ich wieder mal eine richtig gute Vorstellung zu. Dem Iran nicht! Aber Vorsicht! Schurkenstaaten sind nie zu unterschätzen, siehe Nordkorea vor vier Jahren. Ähem...

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Worauf wir uns freuen können:

Die Gruppen E und F sehen nicht arg spannend aus. Aber wir dürfen gespannt sein, in welcher Verfassung die Franzosen sind und wie die Argentinier ins Turnier starten. Argentinien-Nigeria könnte interessant werden. Oder nein, eigentlich nicht...


Was wir lieber nicht sehen wollen:

Muss man sich alle Spiele ansehen? Oder kann man Bosnien gegen Iran oder Honduras gegen Ecuador auch mal auslassen? Ich denke, dass diese Spiele nicht zu unrecht bei uns erst um 24 Uhr zu sehen sind....

Mittwoch, 11. Juni 2014

Exotisches

Manchmal ist Fußball wie guter Wein. Oft aber ist er auch wie schlechtes Bier. Irgendwo dazwischen - zwischen Italien und Japan - liegt der exotische Esprit der Gruppen C und D.


Hatte die Gruppe A schon einiges an Exotik zu bieten, schillert die Gruppe C in allen Farben: Die Teams aus Kolumbien, Griechenland, der Elfenbeinküste und Japan haben keine augenscheinlichen Gemeinsamkeiten. Auch fußballerisch sind sie mehr oder weniger nichts sagend. Umso mehr verwundert es da, dass Kolumbien den Gruppenkopf gibt, also nach Logik der Auslosung auf dem Papier die stärkste Mannschaft stellt. Tatsächlich wage ich aber zu behaupten, dass zwischen diesen vier Mannschaften kaum ein Klassenunterschied besteht. Hier wird sich jeder gegen jeden schwer tun, und am Ende werden die Griechen aufsteigen, weil sie in Summe ein Tor mehr geschossen als sie bekommen haben.

Das Team von Kolumbien wird diesmal relativ stark eingeschätzt. Ich kann mir vorstellen, dass Kolumbien es ins Achtelfinale schafft - die Gruppenauslosung allein macht dies wahrscheinlich. Aber ehrlich gesagt verbinde ich Kolumbien immer noch mit Carlos Valderrama und Andres Escobar. Der eine war der schillernde Star der Mannschaft von 1994, die aber über die Gruppenphase nicht hinauskam. Der andere war der unglückliche Eigentorschütze im Spiel gegen die USA, der dieses Missgeschick erschreckenderweise mit dem Leben bezahlen musste. Er wurde nach der WM in seiner Heimatstadt in einer Bar erschossen.
Auch wenn viele davon sprechen, dass Kolumbien wieder "Geheimfavorit" sei, muss das Team froh sein, wenn es die Gruppenphase übersteht. Geheimfavorit waren sie schon '94 - nach Aussage von Pelé. Und ansonsten war jedes Mal im Achtelfinale Schluss.

Japan und Griechenland sind beides Teams, die ärgerlichen Fußball spielen, und genau deswegen könnten sie sich in der Gruppe C durchsetzen. Kolumbien könnte wiederum der "falsche Heimvorteil" zugute kommen. Die Elfenbeinküste wird sich wieder selbst zerstören. Schade für den großartigen Didier Drogba, der nach der WM die Schuhe an den Nagel hängen will.
Ehrliches Bemühen zahlt sich in dieser Gruppe aber aus, denn im Achtelfinale warten schlagbare mögliche Gegner, denen es jedes Team in dieser Exotenansammlung schwer machen kann.

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Damit zu Gruppe D, in der uns schon am ersten Spieltag ein Klassiker erwartet. England gegen Italien - das spielte man in den 90ern in Kinderzimmern gegeneinander, denn im echten Leben gab's das Duell das letzte Mal bei der Euro 2012, da gewann Italien bzw. verlor England im Elfmeterschießen. Gut für die Engländer, dass es in der Vorrunde kein Elfmeterschießen gibt...

Italien hat sich bei der letzten Euro zu einer neuen Liebschaft von mir entwickelt. Auch wegen Andrea Pirlo. Ob sich das allerdings bei dieser WM fortsetzen wird, darf bezweifelt werden. Wir wollen jedenfalls wieder Calcio statt Catenaccio! Guten Rotwein statt Lambrusco in Kübeln! Obwohl Lambrusco in Kübeln ja auch Spaß machen kann, während ein schwerer Rotwein oft einschläfernd wirkt...

Beweisen müssen sich die Italiener weniger gegen England als gegen Uruguay. Die waren die große Überraschung vor vier Jahren, verloren letztlich im Spiel um Platz drei gegen Deutschland. Einzig der garstige Suarez bleibt unangenehm in Erinnerung.
Costa Rica, da lehne ich mich jetzt ganz weit aus dem Fenster, wird in dieser Gruppe keine Chance haben.

So ist diese Gruppe mit drei großen Namen besetzt, von denen aber momentan keiner auf Augenhöhe mit Brasilien, Argentinien oder Deutschland agiert. Einzig die Italiener haben als Deutschland-Schreck das Potenzial, den KO-Baum ein wenig zu rütteln. Allein, er wird dann schon sehr klein geworden sein, denn die beiden treffen frühestens und spätestens im Finale aufeinander...



Worauf wir uns freuen können:

Die Gruppe C bleibt wahrscheinlich sensationslos. Einzig überraschend souveräne Kolumbianer könnten uns ein bisschen Freude machen.
Freuen dürfen wir uns auf die Italiener, wenn sie wieder Calcio spielen. Auf Andrea Pirlo, den coolen Hund. Und vielleicht auf die Engländer, wenn sie plötzlich etwas finden, was sie die letzten Jahre gesucht haben: Ihre Identität als Mutterland des Fußballs.


Was wir lieber nicht sehen wollen:

Wenn sich die Griechenlandspiele wieder so ausnehmen wie in den letzten Jahren, bin ich geneigt, abzuschalten. Vor allem gegen solche Gegner.
Suarez wollen wir lieber auch nicht sehen. Oder er rehabilitiert sich mit irgendwas Sympathischen. Schwer zu glauben!

Dienstag, 10. Juni 2014

Die drei ???

Unter welchen unwahrscheinlichen Umständen ein Auftrittsverbot von André Rieu und DJ Ötzi erwirkt werden könnte. Und warum man ganz ohne Fragezeichen in der Gruppe B nicht auskommen wird.


Jede WM hat ihre "Todesgruppe", und auch wenn eine solche Bezeichnung immer ein wenig zu dramatisch anmutet: Die Gruppe B ist heuer diese Todesgruppe.
Ich habe gestern vermerkt, dass die Gruppe A nicht ohne die Gruppe B gedacht werden kann, da dort alle außer Brasilien zu schwach sind, um im Achtelfinale gegen Spanien bestehen zu können. In der Gruppe B verhält es sich spiegelverkehrt, denn obwohl mit Spanien und den Niederlanden die programmierten Fixaufsteiger bekannt zu sein scheinen, ist alles in Wahrheit etwas komplizierter.

Ja, Spanien und Niederlande waren die Finalisten der letzten WM. Aber wie bei allen Mannschaften hat sich seitdem sehr viel (oder gefährlich wenig) getan. Ja, Chile war das große Überraschungsteam der letzten WM: Nach einer vor allem taktisch fulminanten Vorrunde, scheiterten sie jedoch klar im Achtelfinale gegen Brasilien. Chile, das war aufregender Fußball, da stürmten teilweise gefühlte 16 Spieler auf das gegnerische Tor. Dennoch fehlten die Treffer. Das Torverhältnis nach der Vorrunde war 3:2, und gegen Brasilien setzte es ein 0:3.
Doch hinter Chile steht ein Fragezeichen, denn es fehlt der geniale Coach Bielsa und die Fitness von Juventus-Star Arturo Vidal ist schwer einzuschätzen. Der hat sich noch Anfang Mai einer Knieoperation unterziehen müssen. Trotzdem gilt: Um die Leistung Chiles dreht sich die ganze Gruppe B bzw. zumindest die Frage, wer Gruppenzweiter wird - und dann gegen Brasilien antreten darf.

Die Niederländer sind das nächste Fragezeichen. Mein Lieblingsteam zeigte vor vier Jahren eine weniger eindrucksvolle Leistung als bei der Euro 2008, kam aber mit Disziplin und dem starken Spiel in der richtigen Runde ins Finale. Dort verstolperte Arjen Robben in der 64. Minute den Weltmeisterpokal, was ich damals in Maastricht vor einer Freiluft-Bühne erleben musste, auf der noch einen Tag zuvor André Rieu mit DJ Ötzi zusammen aufgetreten war. Kein gutes Vorzeichen! Falls Holland heuer wieder ins Finale kommen sollte, bitte ich die Gemeinde Maastricht dieses Event abzusagen. Aber dahin ist der Weg weit...
Louis van Gaal hat übernommen. Das ist eigentlich kein schlechter Mann, aber ob er der Richtige für den Job ist, ist fraglich. Schließlich weiß er schon jetzt, dass seine Verpflichtung nach der WM beendet sein wird. Ihm folgt dann nämlich der große Guus Hiddink.
Ansonsten ist Team Niederlande ungefähr so wie immer, nur dass die üblichen Stars rund um Wesley Sneijder und Arjen Robben eben älter geworden sind. Jung und unerfahren ist hingegen die Defensiv-Abteilung, aber über die hat sich in Holland seit dem grimmigen Jaap Stam niemand so richtig Gedanken gemacht.
Der große Favorit sind sie diesmal nicht. Und es wird vor allem von der ersten Partie abhängen, wie sich die Niederlande in diese WM einspielen. Da geht es ausgerechnet gegen den Finalgegner von vor vier Jahren, und der ist amtierender Welt- und Europameister und heißt Spanien.

Die Furia Roja ist auch in die Jahre gekommen. Und auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, weil uns 6 Jahre Tiki-Taka genug sind - sie sind wieder einmal Mitfavorit! Eine schwere Gruppe in der Vorrunde hat bei den Spaniern höchstens den Effekt, dass sie im Achtelfinale noch selbstbewusster und gefährlicher auftreten, als sie es ohnehin schon tun würden. Für sie ist klar: Der Gruppensieg muss her, sonst kommt es zu einem verfrühten Treffen mit Brasilien, und das will man sich bitteschön für später aufheben. Mexiko, Kroatien oder Kamerun als Achtelfinalgegner klingt doch schon wesentlich attraktiver.
Trotzdem male ich auch hier ein zartes Fragezeichen mit Bleistift hinter die rot-gelben Iberer. Denn was ein inspiriertes Holland oder ein entfesseltes Chile vollbringen können, dem kann kein Kurzpass-Spiel etwas entgegensetzen. In Wahrheit hat schon die Eröffnungspartie gegen Holland Gruppenendspiel-Charakter. Sollte dieses Spiel nicht unentschieden ausgehen, darf man ruhig schon eine Tendenz erkennen.

Wer war noch? Achja, die sympathischen Socceroos aus Australien. Sie sind der Gruppendritte der Herzen, die Pechvögel von 2010, aber ganz klar der Außenseiter mit Aufstiegschancen, die sich nur bei einem Totalausfall der Holländer oder Chilenen zart von der Null in Richtung Eins bewegen. Und sollte der Fußballgott ein paar betrunkene Tage haben und sich einen Jux aus der Gruppe B machen wollen, selbst dann werden sie im Achtelfinale erbarmungslos den Brasilianern zum Fraß vorgeworfen. Macht aber alles nix, denn die Australier sind als bemühte Außenseiter immer schon sympathisch gewesen. Und je übermächtiger der Gegner, desto weniger kann man verlieren. Da kommt dann der Spaß nicht zu kurz, und so dürfte diese WM-Endrunde für die Underdogs aus Down Under zumindest ein denkwürdiges Erlebnis werden.

Wo ist jetzt das Spiegelverkehrte der Gruppe A? Also: In der Gruppe A haben wir einen klaren Favoriten und drei Fragezeichen. In der Gruppe B haben wir (nach menschlichem Ermessen) einen klaren Gruppenletzten und dann drei Teams, denen so ziemlich alles zuzutrauen ist. Denn auch wenn Spanien die besten Karten hat, ist es ja nicht gesagt, dass die WM 2014 nicht der Anfang vom spanischen Untergang sein könnte. Und vielleicht ist den Holländern gerade dann alles zuzutrauen, wenn ihnen eigentlich nichts zuzutrauen ist. Und Chile? Schließlich spielt man in Südamerika, und vielleicht ist Chile der unangenehmste Gegner aus der zweiten Reihe für Top-Teams wie Spanien und Holland. Wir werden sehen, wer die Todesgruppe überlebt. Ein Sieg wäre lohnend, denn als Zweiter wartet ja schon im Achtelfinale der Gastgeber.


Worauf wir uns freuen können:

Auf so ziemlich alles in dieser Gruppe: Das Auftaktspiel Spanien gegen Holland ist vielleicht ein zu programmierter Knaller, um wirklich gut zu werden; aber selbst schallgedämpft wird das eine absolut sehenswerte Begegnung. Chile wird den beiden sehr unangenehm werden, und gegen Australien gilt es, sich keine Blöße zu geben. Die Chilenen müssen im Grunde nur aufpassen, nicht gegen Australien zu verlieren, dann ist alles möglich. Mit drei Punkten aus dem ersten Spiel könnten sie bereits die Gruppenführung übernehmen und dann heißt es auch für Spanien und Holland Gas geben!


Was wir lieber nicht sehen wollen:

Ein Holland, das an die Vorstellung der letzten Euro anknüpft. Die Nation und der Sport als Ganzes haben sich ein besseres Fußball-Holland verdient als jenes Team, das seinen Anfang im grauslichen WM-Finale vor 4 Jahren genommen hat. Wir wollen auch eigentlich Nigel de Jong nicht mehr sehen (er ist aber dabei).
Wir wollen kein Tiki-Taka-Drübergefahre sehen. Das würde heißen, dass alle anderen Teams ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Zumindest hat der spanische Teamchef Vincente del Bosque mal irgendwas davon gesagt, dass man auch den Abschluss suchen müsse. Welch weise Worte!

Mittwoch, 28. Mai 2014

Böse Vorzeichen

 Über problematische Vögel und den Erwartungsdruck in theatralischer Hinsicht.


Wenn man in Zusammenhang mit der WM in Brasilien von "bösen Vorzeichen" spricht, meint man meist die Anti-FIFA-Proteste vor Ort. Dass nicht alle Brasilianer in ausgelassener Samba-Stimmung der Heim-WM entgegenfiebern, ist klar. Klar ist auch, dass nicht alles sexy sein wird, was rund um die WM (davor, während und danach) passiert. Ich möchte das alles aber so gut es geht ausblenden. Nicht, weil es nicht interessant oder wichtig wäre, sondern weil andere besser darüber Bescheid wissen und es zuviel verlangt wäre, sich als Blogger in Österreich anzumaßen, ein adäquates Abbild der Situation zeichnen zu können.

Die bösen Vorzeichen, die ich meine, haben etwas mit Mario Balotelli und Cristiano Ronaldo zu tun. Typen wie diese beiden polarisieren vor allem deswegen, weil man ihnen trotz ihrer unerträglichen Zurschaustellung ihres unermesslichen Egos das fußballerische Können nicht absprechen kann und darf. Jedes Mal wieder freut man sich auf eine WM und ihre Stars, fragt sich, wer überraschen und wer enttäuschen wird; gelgentlich regt man sich dann auch so richtig über den einen oder anderen auf. Manchmal treffen Held und Bösewicht sogar in einem Spiel aufeinander, wie es letztes Mal im Spiel Ghana gegen Uruguay der Fall war. Im Mittelpunkt der Aufregung steht ja meistens auch weniger die fußballerische Leistung als moralische Qualitäten bzw. Mängel. Wir erinnern uns an Frank Rijkaard vs. Rudi Völler, an Materazzi vs. Zidane - Geschichten, die ihre Spiele überdauern, ja dramatisch übersteigen.

Charaktere wie Cristiano Ronaldo und Mario Balotelli sind die Wunschkandidaten für solche Aktionen. Wobei ich Ronaldo für moralisch integrer halte als Balotelli. Aber darum geht es ja bei den beiden weniger. Vielmehr geht es um den Pfauen-Effekt, das Posen, die am Feld gelebte Selbstverherrlichung. Ronaldo setzte sich selbst ein Denkmal in dieser Championsleague-Saison. Er tat dies aber nicht nur mit seinem Toren, sondern vor allem, indem er einen eigentlich unbedeutenden Elfer im Finale verwandelte und dann den Balotelli machte.

Kleines Suchbildrätsel a la "Wer hat's erfunden?"

Ein Ego vom Formate eines Balotelli kann sowas natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Da aber gerade spielfrei ist, die Bühne des Weltfußballs also momentan nicht als Szene herhalten kann, hat sich Balotelli etwas anderes überlegt: Er ließ sich interviewen. Und zwar von ihm selbst. Hier das Ergebnis dieses skurillen Einfalls:


Das Schöne daran ist: Das ist alles nur ein Vorgeschmack auf die Pfauenauftritte, die uns in den kommenden Wochen erwarten! Und dass Balotelli und C. Ronaldo die Hauptakteure sein werden, ist nichtmal gesichert, ja sogar eher unwahrscheinlich. Denn die "üblichen Verdächtigen" schlagen selten zu, wenn Weltmeisterschaft gespielt wird. Wahrscheinlich weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, ihre Leistung im Team zu bringen - jene nämlich, die von ihnen erwartet wird.

Wir dürfen uns schon auf sonderbare Begebenheiten mit diversen Pfauen freuen, die unsere Hassliebe wieder ausreizen werden. Hoffentlich kommt dabei der Fußball nicht zu kurz!