Montag, 23. Juni 2014

Das Schweigen im Regenwald


Zu später Stunde im Märchenregenwald von Manaus ereignete sich Bemerkenswertes!


Unter den Teams, die mir bisher am besten gefallen haben, finden sich einmal mehr die US-Amerikaner. Das ist einerseits überraschend, weil ich ihnen diesmal nicht so viel zugetraut hatte, was vor allem an den Gruppengegnern gelegen hat. Andererseits haben sie mich bisher bei jeder WM mitgerissen, weil sie, ungeachtet des Ergebnisses, das am Ende dastand, immer engagierten, aufregenden Tempo-Fußball gespielt haben: Popcorn-Soccer vom Feinsten also.
So war es auch gestern Nacht, als sie gegen die vom ersten Spiel angeschlagenen und etwas demoralisierten Portugiesen ran mussten. Für Portugal war ein Sieg mehr oder weniger Pflicht, und es sah auch so aus, als wäre diesmal mehr drin. Dabei agierte die Mannschaft wieder nicht überzeugend. Es machte sich trotzdem das Gefühl breit "Wir sind Portugal und deshalb gehören wir ins Achtelfinale. Egal, ob unser halber Kader verletzt und Cristiano Ronaldo nicht in Form ist!"

So kam es zu einem recht offenen Schlagabtausch, der vor allem durch die sehr frühe Führung Portugals (Nani, 3. Minute) rasch den Charakter einer Rapidviertelstunde bekam. Es fühlte sich ab Minute 5 an, als wären nur noch 5 Minuten zu spielen. Da wurde keine Zeit mit geduldigem Spielaufbau verschwendet. Mittlerweile bezweifle ich, ob Team USA den gegen stärkere Teams überhaupt draufhat. Die Bälle wurden von Zusi oder Beckerman nach vorn gespielt, wo sie abwechselnd den unermüdlichen und gestern ganz unglaublichen Jermaine Jones oder gleich Clint Dempsey fanden, der auch gerade zufällig das Turnier seines Lebens spielt. Gegen stärkere Teams würde so ein Spielansatz vielleicht nicht einmal Halbchancen kreieren, Portugal aber machte regelmäßig einen überranten Eindruck und wurde bei Ballgewinn in der eigenen Hälfte gnadenlos von Bradley, Jones oder dem aufgerückten Beasley attackiert.

Tempofußball war das, den in der Hitze von Manaus durchzustehen man nur den konditionell fittesten Teams zutrauen kann. Dass die USA über ein solches verfügen, haben sie schon im Ghana-Spiel bewiesen. Und weil ein solcher Einsatz belohnt wird, kam es wie es kommen musste, und Team USA glich durch ein tolles Tor von Jermaine Jones in der 64. Minute aus. Doch das reichte den Amerikanern nicht, und sie machten weiter wie bisher. Aber Portugal zeigte sich willens, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen zu halten und durch eine neuerliche Führung die Chance auf einen Aufstieg am Leben zu erhalten. Diese Chance verringerte sich drastisch, als der unglaubliche Dempsey in der 81. Minute zum 2:1 einschoss. Die USA jubelten, das Stadion, das zu einem Großteil mit amerikanischen Fans gefüllt war, stand Kopf. Trainer Jürgen Klinsmann hüpfte auf seine unnachahmlich bubenhafte Weise an der Seitenlinie auf und ab. Der zweite Sieg und damit der Fixaufstieg schienen schon sicher, Portugal hingegen befand sich auf dem langsamen Abstieg ins Tal der Tränen.

Und freilich, man fühlte sich gerecht behandelt vom Fußballgott, dessen eherne Gesetze das Glück des Tüchtigen und die Belohnung für unermüdlichen Einsatz kennen. Eines dieser ehernen Gesetze ist aber auch jenes, dass das Spiel erst dann vorbei ist, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Und man konnte an Nanis Augen sehen, dass er heute noch nicht fertig war, dass sein Team noch nicht bereit war, aufzugeben. So stemmte sich Team USA die letzten 10 Minuten gegen in der Offensive wild rochierende Portugiesen, die nur noch ein Ziel hatten: Mit allen Mitteln zum Ausgleich zu kommen, um die Mini-Chance noch am Leben zu erhalten, doch nicht bereits nach der Vorrunde heimfahren zu müssen. 5 Minuten Nachspielzeit: Klinsmann immer wieder an der Seitenlinie mit weit aufgerissenen Augen - ein Weltschmerzgesicht von Cristiano Ronaldo, dem bis dato so wenig gelungen war. Klinsmann deutet seinem Team "Nach vorne, nach vorne!", er wollte Ballbesitz und Pressing.

Da tat sich plötzlich rechts ein Raum auf und C. Ronaldo bekam den Ball. Noch 30 Sekunden waren zu spielen, das würde wohl der letzte Angriff sein. USA in der Rückwärtsbewegung, Ronaldo rennt die Seitenlinie entlang, schlägt seine erste brauchbare Flanke des Tages, die den Kopf von Silvestre Varela findet: Tor!
Stille. Die Portugiesen, wissend, dass man mit diesem Treffer bloß das Allerallerschlimmste verhindert hat, trotten zum Anstoßkreis zurück, großartiger Torjubel bleibt aus. Klinsmann rauft sich die Haare und steht wie angewurzelt vor der Trainerbank. So nah war man dran!

Der Schiedsrichter pfeift an und pfeift auch gleich wieder ab - das Spiel ist vorbei, das Stadion in Manaus schweigt. Niemand kann fassen, was gerade passiert ist. Man glaubt bloß, von ferne Affen aus dem Regenwald verzweifelt in die Nachr kreischen zu hören. Die Amerikaner schleichen gequält übers Feld. Was wäre das gewesen! Sechs Punkte und Fixaufstieg! Die Energie, welche die Spieler seit Dempseys Führungstreffer befeuert hat, sie ist mit einem Schlag weg. Eine ausgeblasene Kerze, die nur 15. Minuten lang gebrannt hat.

Freilich, die Ausgangslage ist immer noch gut, denn sowohl Deutschland als auch den USA genügt jetzt ein Unentschieden. Und es ist nicht einmal so wichtig, ob man als erster oder zweiter aufsteigt, weil die drohenden Achtelfinalgegner Belgien oder Algerien heißen, von denen erstere immer noch nicht extrem überzeugt haben, und letztere halt eben doch Algerien sind.
Aber wie hart und aufregend Fußball sein kann, das haben uns die Amerikaner in beiden Spielen gezeigt. Und wie bitter das Spiel sein kann, wissen wir von Portugal. Diese Gruppe G hat es wirklich in sich, und ich bin froh, gestern doch so lange durchgehalten zu haben, weil dieses Match wohl eines sein wird, an das ich mich noch lange erinnern werde! Danke USA, danke Portugal!


Held des Tages:
Team USA als Ganzes. Fighting Spirit bis zum Gehtnichtmehr und durchwegs hohes Niveau fast aller Akteuere (Jones, Dempsey, Beasley, Bradley, Zusi, Beckerman und Howard waren top, Bedoya ein wenig enttäuschend und Geoff Cameron schaut 90 Minuten lang drein wie ein Psycho).
Die USA steigen in die Gruppe der beherzt-belohnten "Underdogs" aus der zweiten Reihe auf und finden sich in guter Gesellschaft mit Costa Rica, Kolumbien und Ghana wieder.

Buhmann des Tages:
Im Spiel gestern hat sich die Bezeichnung nicht wirklich jemand verdient. Außer vielleicht der Portugiese Eder, dessen Name schon Langweiliges verspricht, und der es auch unter Druck nicht schafft, ein notorisches Formtief zu überwinden. Im Gegensatz zum Beispiel zu Nani, der ja auch keine überragende Saison gespielt hat, oder auch Ronaldo, der als nicht-Fitter immer noch eine sehr gute Figur macht.

Sonntag, 22. Juni 2014

Ein Dreiviertel-Salto

Es geht sich immer wieder gerade noch aus für die Deutschen. Die Verfallserscheinung lässt sich aber bereits an Kloses Salto ablesen.


Es war das erwartet schwierige Spiel für Deutschland. Denn obwohl es nach dem 4:0 gegen Portugal fast niemand wahrhaben wollte: Die Deutschen sind noch nicht da, wo sie hin müssen, wenn sie Weltmeister werden wollen. Ghana hingegen spielt am Limit, das die Mannschaft immer ein bisschen nach zu setzen versteht, wenn Weltmeisterschaft ist. Ghana spielt wild, unermüdlich, passioniert. Man sehe sich nur Asamoah Gyan an, den Taktgeber Ghanas, den Torjäger, der in jeder Sekunde des Spiels 100% da ist. Kein Einwurf ist ihm unbedeutend genug, um auch nur eine Sekunde die Konzentration ein halbes Prozent herunterzufahren. Oder man betrachte den knallharten Muntari, der unbarmherzig mit den Gegenspielern ins Gericht geht; und der deswegen bzw. wegen zweier gelber Karten, die ihm diese Spielweise eingebracht hat, im entscheidenden Spiel gegen die USA fehlen wird.

Die Mängel im deutschen Spiel betreffen vor allem Philip Lahms neue Rolle im Mittelfeld, mit der er sich auch im zweiten Spiel noch nicht ganz anfreunden konnte. Sie betreffen die Vierer-Abwehrkette, die zwar im Schnitt wahrscheinlich die größte der Welt ist (Flanken und Kopftore dürften gegen Deutschland eigentlich nicht möglich sein), die aber in der Vorwärtsbewegung allzu klotzig wirkt. Allerdings sind das alles Dinge, die nicht so sehr ins Gewicht fallen, wenn man den Ruf hat, eine "Turniermannschaft" zu sein. Eine Mannschaft, die sich im entscheidenden Moment durchwurstelt, wenn es um alles geht. Eine Mannschaft auch, die über "Spezialkräfte" von Weltformat verfügt (O-Ton Löw). Eine solche Spezialkraft ist etwa der nun alleinige Rekordtorschütze der deutschen Nationalmannschaft: Miroslav Klose.

Es ist nämlich mit Deutschland so: Sie liegen ein Tor hinten gegen eine Mannschaft wie Ghana, und du weißt, dass das für Ghana nicht reichen wird. Selbst wenn Ghana zwei Tore Vorsprung gehabt hätte, wüsstest du: Wenn jetzt der Klose kommt, dann macht der drei Tore. Ich hab die Einwechslung Kloses übersehen und dachte doch die ganze Zeit an ihn. Sah es schon vor mir, wie er bei einem Eckball wie aus dem Nichts auftaucht, den Ball ins Tor köpft und dann seinen Salto macht. Und ich sah ihn den Fuß hinhalten im richtigen Moment, den Finger in den Himmel strecken und seine Mitspieler auf ihn stürzen, weil er Deutschland gerade den sicheren Sieg gebracht hat. Ich sah schon die Bildzeitung von morgen. Wenn nur dieser Klose kommt, dachte ich mir, ist alles vorbei!

Dabei stand er zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Feld, und ich sah ihn nur nicht. Ein paar Minuten später sah ich ihn dann: Er hielt den Fuß hin, der Ball fiel ins Netz und Miro machte seinen Salto, schaffte aber nur eine Dreiviertel-Drehung. Verfallserscheinung hin oder her - er hat es wieder mal gemacht und hat jetzt sogar Gerd Müller überholt. Der große Klose - der Abstauberkönig überholt den Abstauberkönig. Er muss aber nach dieser WM aufhören, sonst bleibt er bei der nächsten EM während seines Saltos kopfüber in der Luft stehen. Das wäre ein furchtbares Karriereende. Obwohl ich ihn nicht mag und er mich nie ob seiner Fertigkeiten begeistern konnte, bleibt am Ende doch der Satz stehen: Was für ein Klasse-Stürmer!

Der Mannschaft von Ghana muss man gratulieren, dass sie nach dem 0:1 nicht zerbröselt ist. Denn so ergeht es vielen Mannschaften gegen Deutschland - nicht nur Portugal. Gratulation auch, dass sie nach dem 2:2 nicht noch ein Tor bekommen haben. So ergeht es nämlich auch vielen. Vor allem, wenn Klose kommt, denn wenn der eingewechselt wird, möchte er sich auf die Bild-Titelseite schießen.
Und dieser Götze? Ein Kind im Grunde. Sein Tor war symptomatisch: Er trifft den Ball nicht richtig mit dem Kopf, hat aber das Glück, dass ihm das Spielgerät just auf das gebeugte Knie und von dort ins Tor springt. Ein Un-Tor eigentlich. Ein Nicht-Tor als Tor. Zufall, ohne den bekanntlich beim Fußball nichts geht. And what about Müller? Ist der große Hurra-Müller schon nach dem zweiten Spiel Geschichte? Nein, denn im Grunde hat er gestern die bessere Partie gespielt, tritt jetzt als Triebkraft im deutschen Angriffsspiel auf. Da muss der Nachname nicht zum Verb werden, aber Müller hat sich zum eigentlichen Leader gemüllert (Führer darf man ja hier nicht sagen) - zumindest gilt das so lange, bis es Schweinsteigert, dessen Auftreten der Mannschaft immer noch ein bisschen Voodoo-Kraft a la Drogba gibt.

Ein arges Ding für Ghana war das, obwohl sie natürlich gerne den Punkt mitnehmen. Das ärgere Ding war nämlich das Spiel gegen die USA. Und das Abschlussspiel gegen Portugal wird nochmal ein ärgeres Ding, da geht es nämlich dann wieder um alles. In der Gruppe G geht es jetzt sowieso immer um alles. So auch heute Nacht, wenn die US-Amerikaner gegen die seltsamen Portugiesen spielen. Vielleicht gibt uns die WM mit diesem ein weiteres Rätsel auf. Bis dahin müssen wir die Spiel der langweiligen Belgien-Gruppe erdulden. Der Super-Ober-Geheimfavorit muss heute seiner Rolle gegen Russland gerecht werden. Ob er das schafft? Mir eigentlich egal, ich werde da noch immer mit der Gruppe G beschäftigt sein...


Held des Tages:
Asamoah Gyan mit seinem schönen Tor zum 2:1. Wer weiß, wie lang er uns noch erhalten bleibt.

Buhmann des Tages:
Mario Götze, den ich jetzt schon nicht mehr sehen kann. Mit seinem Un-Tor, das so gar nicht zu dieser WM passen will.

Samstag, 21. Juni 2014

Die Unwägbarkeiten eines Turniers

Wer dachte, die WM wird nach der ersten Runde in die bequemen Gefilde durchschnittlicher Unterhaltung zurückfallen, der hat sich geschnitten. Eigentlich wird's immer besser.


Auf nichts kann man sich verlassen bei dieser WM! Nicht mal auf Italien, und so lässt uns ein weiterer "Großer" nach Spiel zwei ein wenig ratlos zurück. Wie schon Brasilien, wie schon England, Spanien, Holland und Uruguay. Wir kratzen uns am Kopf und wissen nicht, wem wir als nächstem unser volles Vertrauen schenken sollen. Auf das Argentinien-Spiel warten wir noch, auf Deutschland eh auch. Und ehe wir uns versehen, kommen auf einmal die Franzosen daher und stehen nach zwei Spielen mit drei Punkten und einem Torverhältnis von 8:2 da. Aber alles der Reihe nach...

CRC - ITA 1:0


Tatsächlich haben die Ticos das eigentlich Unmögliche geschafft und stehen nach zwei Spielen als Sieger der im Vorhinein als sehr schwierig eingeschätzten Gruppe D fest. Bitte was? Costa Rica? Gegen drei Ex-Weltmeister? Gegen das grundsolide Italien, das neu erstarkte England und den WM-Vierten von Südafrika? Wer darauf gewettet hat, dem sei gratuliert, denn das hätten sich die Costa Ricaner wohl selbst nicht zugetraut.
Mehr als ich über die Ticos verwundert bin, bin ich von den Itakern enttäuscht. Zuerst habe ich mich gefreut, weil der im ersten Spiel eine so unglückliche Figur machende Paletta nicht dabei war. Dass sich Italien aber dann so steif und klobig präsentieren würde, war doch überraschend. Vielleicht war es der Schiss, gegen die furchtlosen Costa Ricaner zu viel zu riskieren?

Die "kleinen Teams", gegen die man technisch nicht auf Augenhöhe spielen kann, gegen die man sich aber taktisch einiges überlegen muss, und die am Ende immer den psychologischen Vorteil haben, das sind die vorläufigen Gewinner dieser WM. Das ist erstmal schön und gut so.
Die "Großen" aber wachsen mit ihren Aufgaben und spielen ihren besten Fußball immer dann, wenn es gegen die gefährlichsten Gegner geht und das Spiel am wichtigsten ist. Diesem Druck der Okkasion können am Ende Teams wie Costa Rica oder Kolumbien nicht standhalten. Das behaupte ich jetzt trotz des Wissens, dass es bei dieser WM noch jedes Mal anders gekommen ist als erwartet!

Die Gruppe D allerdings wird noch spannend. England ist einmal draußen, aber wer folgt Costa Rica ins Achtelfinale? Im direkten Duell, das ein praktisches Sechzehntelfinale ist, stehen sich jetzt zwei Teams gegenüber, die in zwei Spielen völlig unterschiedliche Seiten gezeigt haben: Uruguay und Italien. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass die Entscheidung um den Achtelfinalplatz etwas mit den Namen Balotelli und Suarez zu tun haben wird. Somit hat das Spiel jetzt schon einen bitteren Beigeschmack; es schmeckt ein wenig schandhaft und gefährlich. Wie die Luft vor einem Gewitter. Wie jener italienische Aperitiv, der den Namen Pirlo trägt. Ich behaupte: Das wird ein Knaller!


FRA - SUI 5:2


Interessant, wenn man sich die Statistiken zu diesem Spiel anschaut: Frankreich hatte weniger Ballbesitz, was nach der Überwindung von Tikitaka tendenziell als ein gutes Zeichen zu werten ist (s. Salzburg, s. Holland). Denn schließlich kommt es darauf an, was man mit dem Ball macht, wenn man ihn erstmal hat; ob man ihn in den eigenen Reihen herumschiebt, oder den Zug zum Tor sucht. Den suchte Frankreich, und während sich "Les Bleus" auf eine erfolgreiche WM-Kampagne eingroovten, wurde der Schweizer Stern engültig in der französischen Offensivmaschine zerrieben. Dabei schossen die Franzosen nur 5 Mal öfter als die Schweizer, dafür doppelt so oft aufs Tor. Das zeigt, dass die Schweiz oft nur aus Verlegenheit den Ball Richtung Tor holzten - ein Beweis auch für die funktionierende Defensivleistung der Franzosen. Die beiden Tore für die Schweiz fielen ja erst in den letzten 10 Minuten des Spiels, wo eh schon alles wurscht war.

5 Tore von 5 verschiedenen Spielern - auch das sind immer gute Nachrichten, denn es zeigt, dass Frankreich nicht von einem Benzema abhängig ist, obwohl dieser seine gute Form aus der Ligasaison in die WM hinüberretten konnte. War das erste Spiel der Blauen noch nicht aussagekräftig genug, weil es gegen den Gruppenaußenseiter Honduras ging, wird sich die wahre Größe der Franzosen kurioserweise im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador zeigen. Da greift nämlich jener Effekt, den ich oben beschrieben habe. Frankreich hat sich nämlich nach nur zwei Spielen rehabilitiert und weiß sich jetzt wieder dort, wo es lange gewesen ist: Inmitten der großen europäischen Fußballnationen. Vielleicht ein bisschen hinter Deutschland, aber wie es momentan aussieht neben Italien und Holland, und sogar noch über England und Spanien. Ein schöner Platz ist das - jetzt nur nicht nervös werden!



Held des Tages:
Bryan Ruiz, der mit seinem Treffer gegen Italien nicht nur seiner eigenen Nation einen schönen Tag bescherte, sondern einer anderen (England) gleichzeitig das fixe WM-Aus garantierte. UND: Wir bekamen wieder mal ein bisschen Torlinientechnologie aus Deutschland zu sehen! Viel mehr kann man mit einem Tor nicht erreichen!

Buhmann des Tages:
Cassano, von dem ich dachte, Italien käme ganz ohne ihn aus. Er steht für die schmutzige Berlusconi-Ära. Eine zwielichtige und grausame Figur, nicht nur optisch sondern auch menschlich!

Freitag, 20. Juni 2014

Offenbarungen

Manchmal ist Fußball zum Weinen schön: Wie Spielfreude und Einzeltäter den WM-Tag wohlig machten.


Hochinterressante Duelle bot der gestrige WM-Tag - natürlich mit Ausnahme des Nachtspiels Japan gegen Griechenland. Ich glaube, ich werde am Ende der WM kein Spiel von Japan gesehen haben und auch nicht traurig darüber sein. Über die anderen Spiele gestern war ich aber höchst erfreut, weil sie Abwechslungsreiches und gleichermaßen Unerwartetes boten. So kam es beim Duell Elfenbeinküste gegen Kolumbien zu einem Aufeinandertreffen frisch und unbeschwert aufspielender Mannschaften. Das unglückliche England steht hingegen vor dem Aus, weil die Urus unerwartet wiedererstarkt sind. Schuld daran trägt nur ein Mann...

ENG - URU 1:2


Wer hätte das gedacht, dass der zwischenzeitliche WM-König Luis Suarez heißen würde? Neymar war okay, Messi hat bis jetzt eher enttäuscht, C. Ronaldo war nicht zu sehen. Und dann kommt Suarez im zweiten Spiel der garstigen Urus, die letztens noch so uninspiriert zu Werke gingen, dass man sie am liebsten ohne zweites und drittes Spiel nach Hause geschickt hätte, und macht mit zwei Toren alles klar. Und was für Tore waren das! Suarez zeigte damit in seinem ersten Spiel, dass er nicht nur Lausbub, sondern eben auch ein Top-Stürmer ist; einer, der den Unterschied machen kann. Sympathisch wird er mir deswegen nicht, aber seine Leistung erkenn ich gerne an, zumal sie von einem inspirierter auftretenden Team Uruguay getragen wurde. Uruguay ist vielleicht auch eine Mannschaft, die an ihren Aufgaben wächst.

England wiederum tut mir Leid. Das erste schwere Spiel gegen Italien, in dem man sich so gut verkauft hatte, ließ für Spiel zwei größere Hoffnungen zu. Gerade wegen der schwachen Leistung Uruguays gegen Costa Rica. Aber so sehr man sich auch mühte, es ging nichts rein. Trotzdem wird man das Spiel nicht vergessen, weil Wayne Rooney seinen ersten WM-Treffer überhaupt erzielte. Und fast glaubte man, es sei nicht nur sein erster, sondern gleichzeitig auch ein immens wichtiger, einer, der England hoffen lassen könnte. Jetzt aber steht England nach zwei Spielen mit 0 Punkten da und kann aus eigener Kraft nicht mehr weiterkommen. Ein Lichtblick: Bei der nächsten Euro wird mit England wieder zu rechnen sein. Und man spart sich erstmal das Elfmeterschießen...

COL - CIV 2:1


Auch das 18-Uhr-Spiel war eine Offenbarung. Kolumbien gegen Elfenbeinküste lautete das Duell, und dabei handelte es sich um zwei Mannschaften, die gern von Leuten gemocht werden, die was von Außenseitern halten. Das Stichwort lautet "unbeschwertes Spiel", denn ohne die Last von vielen Dekaden Fußball-Geschichte und der entsprechenden Erwartungshaltung von Fans und Volk spielt es sich für gewöhnlich leichter. Man hat nichts zu verlieren, aber eben auch nichts zu verschenken. So kommt es dann, dass Leute wie Cuadrado wie aufgezogen eine Sensations-Szene nach der anderen bieten. Da wird getrickst wie sonst nur in der Schülerliga oder auf der Spielkonsole. Es hilft natürlich auch, wenn man die Atmosphäre genießen kann, zum Beispiel wenn das ganze Stadion gelb ist und bei jedem Pass mitheult. So muss es auch gestern für die Chilenen gewesen sein, als nach dem letzten Ton der Nationalhymne das ganze Maracana-Stadion die zweite Strophe angestimmt hat. Für solche Momente lebt man als Fußballer - und das gilt vor allem für die "kleineren Nationen" mit Spielern, die vielleicht nicht jede Saison im Champions-League Halbfinale spielen.

Es hilft auch, wenn man, wie der Ivorer Serey Die, beim Abspielen der Nationalhymne zu weinen beginnt, weil man von der Situation überwältigt ist, sich dann extra reinhaut und eine Hammerpartie spielt. Oder wenn man, wie Gervinho, einfach wieder mal die ganze Verteidigung ausspielt, also ein Solo nach alter Schule macht, und dann auch noch trifft. Oder wenn man einen Ball in den Strafraum schlenzt, und damit nicht nur Abwehr sondern auch Mitspieler überrascht und dann der Fallrückzieher zu kurz kommt. Und manchmal hilft die alleinige Erscheinung des großen Drogbas eben auch nichts. Denn Kolumbien ist nicht Japan (was letztere spätestens in ihrem gestrigen Spiel gegen die Griechen bewiesen haben), und die Elfenbeinküste eben doch "nur" die zweitbeste afrikanische Mannschaft dieses Turniers, auch wenn sie momentan noch einen Sieg mehr haben als Ghana...


Held des Tages:
Nicht Suarez, dafür ist es noch zu früh. Er hat sich noch nicht rehabilitiert, obwohl das Trösten seines Liverpool-Teamkameraden Gerrard schon eine schöne Szene war.
Held hingegen war heute eindeutig Juan Cuadrado, der kaffeegedopte Mittelfeld-Wirbler von Kolumbien, der durch sein spektakuläres und unermüdliches Agieren nicht nur Mitspieler, sondern auch Fans verzückte.

Buhmann des Tages:
Wahrscheinlich irgendeiner aus dem Griechenland-Japan-Spiel. Für sonstige Buhmänner war gestern kein Platz!

Donnerstag, 19. Juni 2014

Das Glück, der Zufall und die Dummheit

Fußball ohne Zufall - das wäre reine Rechnerei. Und wer das Glück hat, hat dies immer auch zu rechtfertigen.


Das Glück, das haben immer die Dummen oder die Tüchtigen. Darauf kann sich der Volksmund noch nicht so recht einigen. Gestern hatten alle ein bisschen Glück und stellten sich dabei mal dumm, mal
tüchtig an. Also gibt auch der Fußball keine Antwort darauf, ob jetzt die Tüchtigen oder die Dummen die wirklich Glücklichen sind. Früher war es einfacher, da hatten im Fußball das Glück immer die Deutschen. Ob aus Dummheit oder Tüchtigkeit - darüber scheiden sich die Geister.

NED - AUS 3:2


Fast hätte ich jetzt 2:3 geschrieben, und bin da gar nicht so weit entfernt. Letztlich wäre auch ein 2:2, ein 4:2, ein 2:4 oder ein 3:3 möglich gewesen. Ja, es ist immer alles möglich. Aber so möglich wie gestern alles Denkbare war... Es hätte genauso gut sein können, dass ein Vogel dem Schiri ins Auge kackt und das Spiel abgebrochen werden muss und dann von zwei Fans im Elferschießen entschieden wird. Ok, da hätte das Fifa-Reglement vielleicht was dagegen, aber gerade das Fifa-Reglement löst den Wahlspruch der österreichischen Lotterien immer am besten ein: Alles ist möglich!

Holland also nach dem furiosen Auftritt gegen den nun schon fix Ex-Weltmeister Spanien mit der erwartet schweren Aufgabe gegen Australien: Schwer, weil die Erwartungen hoch waren; schwer aber auch, weil man schon im ersten Spiel sehen konnte, dass Australien Kampfgeist und Disziplin besitzt, zwei Attribute, die es jedem "Großen" schwer machen. Dass Holland - wie Argentinien in seinem ersten Spiel - mit fünf Defensiven auflief, war dumm. Und Dummheit wird im Fußball selten belohnt. Es gibt aber Ausnahmen, und deswegen machte Holland nach langem Schweinskick wie aus dem Nichts ein Tor. Ungerecht, weil eigentlich unverdient war diese Führung, und das dachten sich sicher auch die Australier. Also machten sie postwendend den Ausgleich, auf holländische Art: Flanke von hinten, Tor  - so einfach ist das. 1:1, also eigentlich wieder 0:0.

So unerklärlich dieses Ausgleichstor war, so schön war es auch. Und eigentlich wars irgendwo auch Zufall. Schon die Flanke von Ryan McGowan fand mehr oder weniger glücklich den Fuß von Cahill. Ausgesehen hat es wie einstudiert - und muss doch, bedenkt man die fußballerische Klasse Australiens, eigentlich Zufall gewesen sein. Zufällig, aber gerecht! Weil das eine hat ja mit dem anderen nichts zu tun. Zufall, Glück und Gerechtigkeit sind ja aus dem Fußball nicht wegzudenken, obwohl sie mit dem Spiel an sich nichts zu tun haben. Sie sind da und nehmen Einfluss, obwohl man nie genau sagen kann, wie.
Die erste Halbzeit brachte jedenfalls spielerisch nichts, und doch stand am Ende ein 1:1 da.

In der zweiten Halbzeit hatte Holland einen anderen Plan. Louis van Gaal dachte sich, dass es vielleicht doch nicht so fesch ist, gegen einen Underdog feig ein Nicht-Spiel aufzuziehen und auf zufällige Treffer zu hoffen. Aber da hatten auch schon die Australier Glück und bekamen einen Elfer zugesprochen, der keiner war. Ungerecht! Aber auch wieder irgendwie gerecht, weil man sich den Führungstreffer doch verdient hatte. Die Tüchtigen eben... Nur, dass man auch wissen muss, dass das Glück ein Vogerl ist! Und kaum hatte man sich die Führung schenken lassen, musste man van Persie dabei zusehen, wie er dem Glück den Vogel zeigt und zum 2:2 ausgleicht. Perdauz!, dachte sich der Fußball-Fan, wie mag das wohl weitergehen?

Man hätte es bei einem 2:2 bewenden lassen, oder sich auf ein 3:3 einigen können. Stattdessen schenkt der Zufall Holland ein weiteres Tor. Einen halbherzigen Weitschuss von Memphis Depay vermochte der australische Keeper nicht zu halten und so stand es in der 68. Minute auf einmal 3:2. Dann ging es noch ein paar Minuten hin und her und als jemand, der diesem fußballerischen Wahnsinn bis jetzt zugesehen hat, wusste man, dass hier noch alles passieren kann. Schließlich ließen aber die Konditionsreserven der Australier nach und Niederlande spielte seinen zweiten Sieg nach Hause. Jetzt steht man fix im Achtelfinale mit zwei Siegen - vor sich ein Spiel um den ersten Gruppenplatz, um vielleicht Brasilien umgehen zu können. Wie das gegangen ist, weiß man nicht so recht.

Weil aber die Gruppe A nicht ohne die Gruppe B gedacht werden darf und umgekehrt, könnte man sowohl mit einem ersten als auch mit einem zweiten Platz auf die äußerst unangenehmen Kroaten treffen, die im ersten Spiel dem Titelfavoriten Brasilien das Leben schwer gemacht haben, und die sich gestern mit einem 4:0-Sieg gegen das desolate Kamerun richtig viel Selbstvertrauen für das letzte Spiel gegen Mexiko geholt haben. Überhaupt sind sowohl Brasilien als auch Mexiko unangenehme Achtelfinalgegner - und die Kroaten sowieso! Wie es derzeit aussieht, würde sich Holland vielleicht sogar gegen Brasilien leichter tun als gegen Kroatien. Vielleicht geht es im letzten Gruppenspiel ja auch darum, zu verlieren, um dem unangenehmeren Gegner zu entgehen. Wer das sein wird, steht freilich erst nach dem letzten Spiel der Gruppe A fest. Das ist spannend, und da ist noch viel Platz für Zufälle und Glück. Und auch für Dummheiten.


ESP - CHI 0:2


König Juan Carlos dankt ab, und auch die Furia Roja scheint Geschichte zu sein. An einem Punkt dachte ich mir: "Spanien liegt 0:1 hinten und Xavi sitzt auf der Ersatz-Bank", und da wusste ich, dass dies das sicherere Zeichen für den spanischen Untergang war als die 1:5 Niederlage gegen Holland letzte Woche. Chile hat gezeigt, dass sie den Erwartungen, die nach der letzten WM in sie gesetzt wurden, doch gerecht werden können (auch wenn dies vor dieser WM wieder keiner geglaubt hätte). Spanien hingegen ist raus. Ende, vorbei. Schlusspunkt im ehrwürdigen Maracana-Stadion. Am traurigsten ist, dass sie noch ein Spiel zu bestreiten haben - ein völlig überflüssiges gegen Australien, das sie nicht einmal verlieren dürfen. Wir verabschieden uns von diesem beeindruckenden Spanien, das die letzten Jahre den Fußball geprägt hat wie kein anderes Land; das zwei Mal Europa- und einmal Weltmeister geworden ist; das uns mit seinem Tiki-Taka zuerst verzaubert, und dann ganz schön genervt hat. Schön, dass wir das alles erleben durften! Danke Xavi, danke Iniesta, Puyol, Alonso, Casillas, Ramos, Pique und wie sie alle heißen! Man kann ihnen nur wünschen, dass sie beim nächsten Mal wieder zum engen Favoritenkreis zählen werden und nicht in die talentierte Mittelklasse abrutschen, wo sie vorher so lang gewesen sind.


Held des Tages:

Der Andre Agassi des Fußballs, Chiles Trainer Jorge Sampaoli. Keiner ist hemdsärmeliger als er, und schlauer sind auch nicht viele.


Buhmann des Tages:

Louis van Gaal für die erste Halbzeit seiner Mannschaft. Ein totaler, grauenhafter Irrweg, der Anklänge an Rehakles hatte. Mit Halbzeit zwei hat er den Kopf aus der Schlinge gezogen, aber ohne dem Glück der Dummen hätte es schlecht ausgesehen!

Mittwoch, 18. Juni 2014

Zwischenrunde


Erste Runde geschafft und der Gastgeber wackelt zum ersten Mal.


Mit den gestrigen Spielen aus der Gruppe H haben wir den ersten Durchgang beendet und konnten uns ein Bild von allen Mannschaften machen. Von einigen ein besseres als von anderen, aber doch sind erste Tendenzen zu erkennen:
Von den großen Favoriten überraschten uns Spanien und Argentinien negativ. Den Spaniern gelang es nicht, gegen entfesselte Holländer auch nur irgendein Spiel aufzuziehen und Argentinien startete mit seltsamer Taktik in eine verschlafene erste Partie gegen einen Zwergenstaat. Von Deutschland haben wir wenig gesehen, aber das, was wir gesehen haben, war gewohnt gut und wird sich in den nächsten beiden Gruppenspielen wohl noch festigen müssen. Italien hat bisher am meisten überzeugt, denn sie haben gegen ein überraschend gefährliches England eine hervorragende Partie gespielt. Bei Brasilien tut man sich jetzt schon ein bisschen schwerer, da deren zweites Gruppenspiel gegen Mexiko gestern Abend einige Fragezeichen hinterließ.

BRA - MEX 0:0


Tatsächlich schafften es die Brasilianer nicht, Mexiko zu biegen. Dass Mexiko seinerseits zu Chancen kommen würde, war spätestens nach den ersten Spielen beider Mannschaften klar. Mexikos Trainer Herrera hat seine Mannschaft gegen Brasilien aber hervorragend eingestellt, besonders was die Bewachung Neymars betrifft. Das war nicht immer schön anzusehen, aber es war klug und letzten Endes sehr erfolgreich. Die Brasilianer sind aber vor allem an Mexikos Keeper Ochoa gescheitert, der eine glanzvolle Partie spielte und somit für seine Mannschaft das Optimum herausholte.

Wir haben das zweite 0:0, das aber um viele Klassen besser war als jenes zwischen Nigeria und dem Iran. Brasilien überraschte eigentlich nur frisettentechnisch, denn Dani Alves ergraute über Nacht (vor Schreck? Ich kann es mir nicht vorstellen) und bei Neymar war auch irgendwas anders. Aber da letzterer sowieso aussieht wie gezeichnet, macht das nicht so viel. Ich halte von Neymar ja nicht viel, das ist mir zu viel Hype bei vergleichsweise wenig Substanz. Und WM-Helden, das sind meistens immer die geworden, von denen man es sich eh nicht wirklich erwartet hatte.

Das Spiel gestern war ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man den großen Mannschaften mit viel taktischer Disziplin gehörige Probleme bereiten kann. Wie sich das heute im Falle Australiens gegen die Niederlande ausnimmt, werden wir ja sehen...

War da noch was? Aja, wieder ein Spiel von einer dieser asiatischen Mannschaften gegen die unsympathischen Russen. Hab ich mir gespart und werde wohl nicht der Einzige gewesen sein...


Held des Tages:
Guillermo Ochoa, an den ich mich erst gewöhnen muss (nicht nur frisürlich). Denn für mich gab und gibt es nur einen echten mexikanischen Torhüter. Und der heißt Jorge Campos!

Buhmann des Tages:
War sicher einer vom Spiel Russland gegen Südkorea. Ich habe es nicht gesehen, aber was macht das schon?


Was noch aufgetaucht ist: Joe Hart verlangt nach dem Pirlo'schen Wunderfreistoß nach dem Ball:




Dienstag, 17. Juni 2014

Die Traurigkeit eines Großen

Ein wenig aussagekräftiges Auftaktspiel in Grupp G verrät mehr über Portugal als über Deutschland.

 

GER - POR 4:0


Portugal kann einem Leid tun. Diesmal hätte es klappen sollen, haben sich alle gesagt; allen voran Cristiano Ronaldo. Aber es hat nicht nur nicht geklappt, es ist eine Katastrophe: Denn man hat gegen eine wacklige deutsche Nationalmannschaft ein unwürdiges Spiel geliefert, dabei einen Weltstar demontiert, zwei Schlüsselspieler verloren und steht in der Gruppe G jetzt ganz schlecht da. Weil dieser portugiesischen Nationalmannschaft sowohl Ghana als auch die USA sehr gefährlich werden können. Das Selbstvertrauen, das ist erstmal dahin!

Es wundert mich nicht, dass Deutschland gegen Portugal gewonnen hat. Schließlich haben sie die Iberer auch die letzten Male geschlagen. Es wundert mich nur, wie hilf-, ideen- und lustlos die Portugiesen zu Werke gingen. Und das, obwohl Deutschland seine Probleme hatte, vor allem was Lahms neue Rolle im Mittelfeld und den Spielaufbau betrifft.
Portugal ist eine seltsame Mannschaft, die über einen hochklassigen Kader verfügt, den der beste oder zweitbeste Spieler der Welt schmückt. Die linke Seite mit Coentrao und C. Ronaldo gehört vielleicht überhaupt zum Besten auf Nationalteam-Ebene. Aber wie bei vielen Teams, zählen die Namen alleine wenig. Und wie sehr (oder wie wenig) ein Überstar in der Mannschaft hilft, hat man bereits an Argentinien gesehen: Das Spiel fällt auseinander, wenn der nicht liefert bzw. vom Gegner erfolgreich ausgeschalten wird. C. Ronaldo ist ein Großer, den man nicht mögen muss. Aber er ist immer wieder auch ein Trauriger - und Portugal ist eine traurige Mannschaft. Sie spielen, angesiedelt zwischen spanischen Flamenco und brasilianischer Samba, den Blues des talentierten Under-Achiever.

Die Deutschen müssen sich derweil nur wenige Fragen stellen. Auch dieses Mal ist man wieder nur mäßig ins Turnier gestartet. Dass es für einen 4:0 Erfolg über den Gruppen-Mitfavoriten gereicht hat, ist natürlich sehr angenehm. Gemessen an dem, was man von den anderen beiden Mannschaften in der Gruppe G gesehen hat, präsentierte sich Portugal bisher als schwächstes Team der Gruppe. Was aber nicht heißt, dass Deutschland gegen Ghana oder die USA Probleme bekommen wird. Im Gegenteil sind gerade diese Mannschaften ein hervorragender Test für die Deutschen, um sich im neuen System für die KO-Phase einzuspielen. Über Deutschland lässt sich momentan nicht viel mehr sagen, dafür gab das Portugal-Spiel zu wenig her. Und dass sie stark sind, wusste man vorher auch schon.

Es spricht für Jogi Löw und seine No-Striker-Philosophie, dass Thomas Müller schon nach dem ersten Match wieder Torschützenkönig-Kandidat ist, und Özil und Khedira ein bisschen mehr gezeigt haben, als von ihnen erwartet wurde. Offensiv funktioniert da einiges, und wenn Lahm sich in seiner neuen Rolle auch noch zurechtfindet, dann kann diese deutsche Mannschaft nur noch Italien aufhalten. Oder Brasilien. Oder Spanien. Oder Holland. Wir sind also so schlau als wie zuvor...


Mann des Matches:

Thomas Müller, das Stafraumungeheuer.

Buhmann des Matches:

Thomas Müller, der Aua-Aua-Schauspieler.